Für wie blöd lassen wir uns eigentlich verkaufen?

Ein ganz wesentliches Verdienst der Werbeindustrie ist es, dass sie uns Verschlechterungen als Verbesserungen verkaufen kann. Das erste Beispiel, von dem ich weiß, stammt aus dem Film „Kaufen für die Müllhalde“ der von geplanter Obsoleszenz handelt, dem „geheimen Motor unserer Konsumgesellschaft“, wie es in diesem Film heißt. Es geht dabei um Glühbirnen. (Der Film ist wirklich sehenswert, wer ihn noch nicht kennt, unbedingt anschauen).

Im Jahr 1924 lag die Brenndauer einer Glühbirne bei etwa 2500 Stunden, so wurde das auch auf den Werbeplakaten angepriesen. Nachdem die Unternehmen beschlossen hatten, dass sie damit nicht genug verdienen konnten, beauftragten sie die Ingenieure, die Lebenszeit von Glühbirnen mit technischen Mitteln auf 1000 Stunden zu begrenzen. Und tatsächlich, die Werbung aus 1940 preist Glühbirnen mit einer Brenndauer von 1000 Stunden als neueste technische Errungenschaft an – was ja in absurder Weise sogar stimmt.

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Gemeingüter als Perspektivenerweiterung

Die Montag Stiftung Urbane Räume hatte in den Malkasten in Düsseldorf zu einem Workshop geladen mit dem Titel „Wie weiter mit den öffentlichen Gütern? Alternativen jenseits von Staat und Markt“. Man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, dass es dabei um die Frage der Gemeingüter ging. Eine handverlesene Gruppe von Teilnehmern und Teilnehmerinnen (letztere leider nur ein kleine Minderheit) aus verschiedensten Bereichen diskutierte zwei Halbtage lang (und einen Abend beim exzellenten Dinner) darüber, was die Idee der Gemeingüter zur Lösung aktueller Probleme beitragen könnte: Ökonomen und Politikwissenschafter, StadtplanerInnen, Architekten und Verwaltungsbeamte, Unternehmer und auch einige Menschen aus der Praxis, die die Sichtweise „von unten“ einbringen sollten (z.B. von der Stiftung Trias, der Aktion Kulturland oder von der GLS Bank). Entsprechend den Aufgaben der Stiftung ging es hauptsächlich um Fragen der öffentlichen Infrastruktur und der Stadt- und Regionalentwicklung vor dem Hintergrund des Ausverkaufs öffentlicher Dienstleistungen durch Sparprogramme, von Gentrifizierungseffekten in wachsenden Städten, aber auch – gerade in Hinblick auf das naheliegende Ruhrgebiet – vor der Notwendigkeit große Industriebrachen und leerstehende Häuser in Schrumpfungsregionen sinnvoll zu nutzen.

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Win-Win-Situationen – gibt es das?

Im Standard vom 14. Jänner (leider kann ich den Artikel nicht online finden) wurde von einer Win-Win-Situation der Hegdefonds berichtet. Es ging um ihre Rolle und Position in Bezug auf die griechischen Staatsschulden. Die Hedgefonds haben sich, so konnte man da lesen, mit griechischen Staatsanleihen eingedeckt und gleichzeitig Kreditausfallsversicherungen abgeschlossen. Sie haben daher überhaupt kein Interesse daran, etwa auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten um den griechischen Staatshaushalt zu entlasten. Geht das Land pleite, wird die Ausfallsversicherung schlagend. Wenn ein ausreichend großer Teil der Gläubiger sich am Schuldenschnitt beteiligt, könnten jene, die das nicht tun, ohne Verluste davon kommen. Die Hedgefonds befänden sich also in einer Win-Win-Situation. Das hat mich irgendwie irritiert.

Als Win-Win-Situation bezeichnet man üblicherweise eine Situation, an der mehrere Partner beteiligt sind und die für beide oder alle beteiligten Menschen oder Parteien einen Vorteil bringt. Ob das möglich ist, hängt davon ab, in welcher Beziehung diese Menschen oder Parteien zueinander stehen.

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Über selbstbestimmtes Arbeiten

Nachdem ich in letzter Zeit viel über Lohnarbeit nachgedacht habe und über Selbstorganisation als Gegenpol und Alternative dazu, fällt mir immer wieder aus eigener Erfahrung ein, wie – unter bestimmten Bedingungen und über einen kürzeren Zeitraum – das doch auch zusammengehen kann.

Anfang der 90er Jahre wurde in Österreich das Pflegegeld eingeführt und damit fiel auch der Startschuss für den Aufbau mobiler Altenpflegedienste. Ich war eine der Frauen, die diese Aufbauarbeit in Bad Aussee geleistet haben. Außer einer nur geringfügig beschäftigten Krankenschwester waren wir lauter „Laiinnen“ (schreibt man das so??), Frauen, die keine Pflegeausbildung, aber auf Grund ihrer geschlechtsspezifischen Tätigkeiten durchaus Erfahrung mit alten Menschen hatten. Zu Beginn mussten wir alles machen – vom Kochen und Putzen bis zu Dekubitus verbinden und Insulin spritzen. Letzteres war weder lustig für uns noch gut für die KlientInnen, weil wenn frau solche Dinge tun muss, ohne eine Ahnung davon zu haben, kann sie auch viel Schaden anrichten. Aber das änderte sich bald. Die medizinische Versorgung übernahm die Krankenschwester und wir bekamen eine Ausbildung, die erste Heimhilfenausbildung der Steiermark. Es war eine gute Ausbildung mit guten Lehrenden, in der wir lernten, dass es wichtig sei, die Persönlichkeit und Eigenheiten der alten Menschen zu respektieren und sie möglichst viel selbst tun zu lassen, auch wenn wir selbst es schneller machen könnten. In Rollenspielen erfuhren wir, wie es ist, wenn die Seh- und die Hörkraft nachlassen, wenn man auf andere Menschen angewiesen ist. Wir hörten, dass wir die alten Menschen auch dabei unterstützen sollten, ihre sozialen Beziehungen aufrecht zu erhalten, dass wir auch wichtige Gesprächspartnerinnen für sie sein sollten und wir erwarben natürlich auch medizinische und pflegerische Kompetenzen. Das machte es uns möglich, unsere Arbeit gern und gut zu machen und wir erwarben uns schnell viel Ansehen in der Gemeinde.

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Die Tragik der Allmende – ein Dauerbrenner?

1968 hat Garrett Hardin den am meisten zitierten Artikel der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht, dessen Grundaussage es ist, die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen könne nicht funktionieren, weil die Menschen sich eigennützig verhalten und dadurch die Ressourcen zerstört würden. Die einzigen Lösungsmöglichkeiten für dieses Dilemma seien daher entweder die Privatisierung oder eine strikte staatliche Kontrolle. Inzwischen ist viele Male nachgewiesen worden, dass dieser Artikel von Fehlern nur so strotzt. Der Hauptirrtum: Hardin hatte in seinem Modell keine Allmende beschrieben, sondern ein Open access – Gut,  zu dem jeder beliebigen Zugang hat und für das es keine Regeln gibt.

Der Zufall will es, dass ich gerade aus aktuellem Anlass wieder das Buch von Elinor Ostrom zur Hand genommen  habe – „Die Verfassung der Allmende. Jenseites von Markt uns Staat“. Und nun stoße ich auf ein neu erschienes Buch von Rolf Dobelli. „Die Kunst des klaren Denkens. 25 Denkfehler, die sie besser anderen überlassen.“ Klingt recht interessant, und als ich es in google-books durchgescrollt habe, sehe ich, es gibt auch einen Artikel über die Tragik der Allmende. Gut, denke ich mir, dass hier mit diesem Vorurteil aufgeräumt wird. Aber was muss ich lesen? Dieses Vorurteil wird bestätigt! Es kann nicht funktionieren und wir müssten uns endlich von dieser romantischen Vorstellung verabschieden.

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Für wen wir arbeiten II

Beim Worldcafé im Rahmen der Tagung Com’on in der Luxemburg-Stiftung in Berlin wurde auch über das Verhältnis zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit (1:2) diskutiert. Es ging um die Frage, wenn ohnehin nur der geringere Teil der gesamtgesellschaftlichen Arbeit als Lohnarbeit verrichtet wird und davon ein guter Teil nur dem Systemerhalt dient, warum ist es so schwer, diesen kleinen Teil praktisch auszuschalten und die unbezahlte Arbeit zur direkten Reproduktion zu nutzen, ohne den Umweg über Lohnarbeit und Markt? Das wurde mit der Macht und mit dem Eigentum an Produktionsmitteln begründet.

Über die bezahlte Arbeit und die Produktionsmittel habe ich hier geschrieben und bin am Ende zu dem Schluss gekommen: wenn wir heute hier bei uns die Frage nach dem Eigentum an Produktionsmittel stellen, müssen wir uns erst klar werden, was eigentlich die Produktionsmittel sind, die wir für die Produktion einer solidarischen und zukunftsfähigen Gesellschaft brauchen und unter welchen Bedingungen eine solche möglich ist. Dann ginge es vielleicht erst mal eher darum, uns die Bedingungen wieder anzueignen unter denen wir unsere Gesellschaften reproduzieren. Und das betrifft vor allem den Bereich der unbezahlten Arbeit, die ja einen guten Teil der Bedingungen herstellt unter denen sich der Kapitalismus reproduzieren kann. Darum soll es hier um die Frage gehen, wie das Kapital die Kontrolle über die unbezahlte Arbeit ausübt.

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Schöne Bescherung!

Manchmal muss auch Hausarbeit sein und da läuft meist das Radio. Und beim Bügeln hab ich heute hintereinander gleich zwei Beiträge gehört, die gut zu der Frage passen, wofür wir eigentlich arbeiten.

Im Journal-Panorama (noch 7 Tage zum nachhören) ging es um Burnout. Ob das jetzt wirklich eine neue „Krankheit“ ist, oder nur eine neue Bezeichnung für etwas, was es schon lange gibt, oder nur ein Hype, der vor allem manchen viel Geld bringt, ist nicht ganz klar. Obwohl man Burnout, so hieß es dort, nicht wirklich diagnostizieren kann und auch nicht genau weiß, was das eigentlich ist, ist er inzwischen die Hauptursache für Frühpensionen – und die Prävention, vor allem aber die Behandlung und Rehabilitation, hat sich zu einem aufstrebenden Geschäftsfeld entwickelt.

Es ist ein hochpreisiges Angebot an Sanatorien und Privatkliniken – 24 solcher Anbieter hat der „Relax Guide“ (offensichtlich braucht man heute zum Entspannen schon eine Gebrauchsanweisung) getestet. Kostenpunkt 800 – 4000 € pro Woche, Erfolg nicht garantiert, Qualitätskriterien: keine. Das ist ein freier Markt, meint der Tester, da weiß man nicht immer, was man kauft. Für Menschen mit kleinerer Geldbörse gibt es meist bestenfalls Medikamente, Psychopharmaka, damit sie wieder funktionieren. Die Warteliste für von der Krankenkasse bezahlte Reha-Aufenthalte ist lang, wer bis dorthin nicht von selbst gesund ist, dem ist vermutlich eh nicht mehr zu helfen.

Man muss also ziemlich viel arbeiten, damit man sich dann die Therapie leisten kann, wenn man sich überarbeitet. Aber immerhin, viele neue Arbeitsplätze, um die zu heilen, die davor zuviel gearbeitet haben, vielleicht, weil sie Angst hatten sonst ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Das Problem ist wohl, dass Burnout heute genau so wenig heilbar ist, wie Hysterie vor 100 Jahren (ich war gestern im Kino – Eine dunkle Begierde ;-) ) – weil beide ihre Ursachen in der Verfasstheit der Gesellschaft selbst haben. Wer erschöpft ist, darf ja das nicht einfach sagen und sich ausruhen, sich Zeit für sich selbst gönnen, oder was immer ihr oder ihm gerade gut tut. Denn, es wird ja von dieser Person verlangt, etwas dagegen zu tun, man muss ja an sich arbeiten, um wieder arbeitsfähig zu werden.

Dann kam „Religion aktuell“. Und zur Jahreszeit passend wurde eine Geschenkidee der Caritas vorgestellt. Was schenkt man Menschen, die schon alles haben? Zum Beispiel einen Esel für Frauen in Burundi, einen Schlafsack für Wohnungslose oder eine Schuljause für Kinder in Not. Funktionieren tut das so, dass man diese Dinge bezahlt und der Beschenkte dann eine Weihnachtskarte bekommt oder auch ein T-Shirt.

Eigentlich hab ich weder was gegen Esel für Burundi, noch gegen Schlafsäcke für Wohnungslose und natürlich auch nicht gegen eine Jause für Schulkinder. Nur, ich hab hin und her überlegt, ich versteh es einfach nicht, warum das ein Weihnachtsgeschenk für jemand anderen sein soll. Aber vielleicht kann es mir ja jemand erklären.

Wenn mir jemand einen Esel für Burundi schenkt, was schenkt er mir dann? Das Gefühl, eine gute Tat begangen zu haben? Nein, das hab ich ja nicht. Ich wurde ja zu meinem Glück sozusagen gezwungen, ich wurde ja gar nicht gefragt, ob ich wohltätig sein will und schon gar nicht zu wem. Das ist verordnete Wohltätigkeit und dann soll ich mich vermutlich da noch drüber freuen.  Wieso kann die Person, die mir das schenkt, nicht gleich selber was spenden, ohne mich dazwischen zu schalten? Ich finde das keine besonders gute Geschenkidee von der Caritas und ich möchte nicht so ein Geschenk bekommen, dann schon lieber gar keines und dafür einen netten Anruf oder ein Mail oder eine Karte :-) .

Ein normaler Spendenaufruf der Caritas wäre ehrlicher gewesen, hätte nicht diesen weihnachtlichen Schenkzwang ausnützen müssen. Aber das Schlimmste kam erst zum Schluss, denn mit so einem Geschenk kann man noch einem weiteren guten Zweck dienen:

Die Arbeit rund um Schenken mit Sinn gibt zehn langzeitarbeitslosen Menschen in Österreich eine Beschäftigung. Sie kümmern sich um Ihre Bestellung, organisieren das Lager, verpacken die T-Shirts, kuvertieren die Geschenkkarten und bereiten den Versand vor.

Also, Spenden für Bedürftige als Weihnachtsgeschenk für Menschen, die sich sonst nichts mehr wünschen können, weil sie schon alles haben und auch noch Beschäftigungstherapie für Langzeitarbeitslose! Irgendwie kommen da alle Paradoxien unser Gesellschaft auf einen Haufen zusammen und das zu Weihnachten. Schöne Bescherung! Da hat die Caritas ziemlich daneben gegriffen!

Für wen wir arbeiten I

Beim der Tagung Com’on letztes Wochenende in Berlin diskutierten wir auch die Verteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit in der Gesellschaft. Von allen gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten wird nur wenig mehr als ein Drittel in Form von Lohnarbeit geleistet. Hier mein dilettantischer Versuch der Reproduktion der Grafik aus Stefans Präsentation:

Meine Frage beim World Café war, wenn ohnehin schon 2/3 der Arbeit außerhalb des Marktsystems geschieht, wieso ist es so schwer aus dem Marktsystem auszusteigen? Warum ist es so schwer, wie John Holloway es nennt, „aufzuhören, den Kapitalismus zu machen“? Die Antwort lautete: weil in diesem einen Drittel die wichtigen Produktionsmittel und die Macht konzentriert sind. Hier gibt’s das Protokoll vom Worldcafé von Stefan Meretz. Das ist sicher nicht falsch, es ist aber auch nicht so einfach und eindeutig, wie es auf den ersten Blick klingt. Darum möchte ich das ein wenig genauer analysieren.

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Unsere Träume sind zu groß für eure Wahlurnen

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte Michael Hardt zu einer Luxemburg lecture geladen mit dem Titel „What to do with a crisis?“ Im Ankündigungstext hieß es:

Kapitalistische Herrschaft beruht immer auf der Produktion von Subjektivitäten. Die aktuelle Gesellschaftskrise, welche die anhaltende ökonomische Krise begleitet, wird von vier Figuren der Subjektivität charakterisiert. Denen, die verschuldet sind. Solche, die durch die Medien instrumentalisiert werden. Subjekte, die als Sicherheitsproblem gelten. Und jene, die sich nicht selbst vertreten, sondern für die jemand spricht. Also: Verschuldete, Mediatisierte, Sekurisierte und Repräsentierte.* Die Analyse dieser Figuren wird verbunden mit den Möglichkeiten, die eine jede für Rebellion und die Umkehrung der Beziehungen zum Kapital bietet.

*Auf deutsch: Verschuldete, Vermittelte, Ver- und Gesicherte und Vertretene

Das heißt nun freilich nicht, dass sich jeder von uns einer dieser Subjektivierungsformen zuordnen müsste, oder dass unsere Identität absolut vom System geformt würde. Aber dass die verschiedenen Ausprägungen des Kapitalismus Einfluss auf die Art haben, wir wir uns selbst zu Subjekten machen, dass sie die Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung einschränken und in eine bestimmte Richtung lenken, das lässt sich nicht leugnen. Und ich verstehe Hardt so, dass die aktuelle Form der Krisenbewältigung die Subjektivierungsweise noch einmal spezifisch verändert hat und dass unser aller Identitäten mehr oder weniger von diesen vier Subjektivierungsformen geprägt sind.

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Die Suche nach Alternativen

… beschäftigt derzeit viele Menschen. Mittlerweile sind auch die Mainstreammedien voll davon, wenngleich die Alternativen dort oft dem Anspruch nicht gerecht werden, weil sie die Grundlogik des kapitalistischen Wirtschaftssystems – Warenproduktion durch Lohnarbeit und Äquivalenztausch – nicht in Frage stellen. So zum Beispiel all die Ideen, bei denen es um ein neues Geldsystem geht, das Akkumulation durch reine Finanzgeschäfte unmöglich machen soll, damit das Geld denen bleibt, die fleißig arbeiten – wie in diesem, in den letzten Tagen heiß diskutierten Modell der sogenannten Humanwirtschaft.

Oder auch diejenigen, die die Reparatur vom System verursachter, sozialer und ökologischer Probleme zur Profiterzielung in eben jenem System nutzbar machen, anstatt sich für die Beseitigung der Ursachen einzusetzen und dabei meist mit der Schaffung von Arbeitsplätzen punkten, wie der Hype um die Green Economy zeigt und wodurch die Ausbeutung der Lohnarbeitenden sogar zur sozial wertvollen Leistung wird, wie im Modell der Social Entrepreneurship. Mit der Zunahme von Arbeitslosigkeit und sozialer Marginalisierung wird wieder häufiger die Marienthal-Studie zitiert, die die katastrophalen Folgen von Erwerbsarbeitslosigkeit zeigt. Abgesehen davon, dass die Menschen damals wirklich existenziellen Mangel litten an allem was man zum Leben braucht, was heute bei uns ja nicht der Fall ist, wird hauptsächlich die Bedeutung von Lohnarbeit für soziales Ansehen, die Tagesstruktur und das Selbstwertgefühl betont. Es sei also auf jeden Fall notwendig, Menschen einen Arbeit zu verschaffen, egal welche! Denn ohne Lohnarbeit ist mensch nicht Mensch.

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