Kapitalismus und Freiheit sind nicht das Gleiche

Das zumindest ist die Erkenntnis 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, des Eisernen Vorhangs und dem Fall der Berliner Mauer. Ich bin ein bissl spät dran mit Zeitunglesen, weil ich lange unterwegs war, deshalb hab ich mir erst heute beim Frühstück den Standard vom Wochenende vorgenommen – mit einem Schwerpunkt mit dem bezeichnenden Titel “1989 – 2014: die neue Unordnung”. Und auf der Titelseite die Überschrift “Ende des Ostblocks hat Österreich kaum genützt”. Seltsame Feststellung – wieso hätte es Österreich nützen sollen?
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Radtour zur Degrowth

Am 2. September beginnt die Degrowth Konferenz http://leipzig.degrowth.org/de/ in Leipzig. Für 21 Menschen begann sie jedoch schon frueher, genau genommen am Freitag,  dem 22. August um 17 Uhr am S-Bahnhof Griebnitzsee. Dort trafen wir uns zu einer “Radtour in eine enkelfreundliche Ökonomie.”

In den nächsten 8 Tagen wollen wir Orte aufsuchen, an denen Menschen Dinge tun, die außerhalb des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mainstreams liegen. Wo Menschen leben und arbeiten, die heute schon ihre Visionen von einer besseren Welt umsetzen. Und dasdarin einer Region, deren  landschaftliche Schönheit ich schon länger erkunden wollte, Brandenburg – und später dann Sachsen und Sachsen-Anhalt. Enden wird unsere Reise kurz vor Leipzig am 30. August. Der Start war, wie schon erwähnt,  in Potsdam,  ggenauer gessagt, im Projekthaus Potsdam. http://www.projekthaus-potsdam.de/ . Dort lernten wir uns erst mal alle kennen – eìne gemischte Gruppe interessanter und neugieriger Menschen – und natürlich auch unsere “FuehrerInnen”, Silke und Thomas, die sich das Ganze ausgedacht hatten.

Konvergenz – Kreativität – Krise – unter diese “3 K” stellte Silke die kommende Woche, Konvergenz der verschiedenen Bewegungen und Alternativen,  Kreativität, weil, wer sich auf Neues und Unbekanntes einlaesst, immer mit Unwägbarkeiten konfrontiert ist, aber auch Krise, weil diese eigentlich die größte Chance bietet, etwas ganz Anderes zu machen. Dann gab es noch die “3 L” Landschaft’ – Lebendigkeit – Lernen, und ich hab für mich noch die Lust dazu gefuegt.

Dann gab’s Abendessen, wo schon mal das Teilen geübt wurde, da die Zahl der Kuchenstücke deutlich unter der der Esser lag. Das soll aber keinesfalls ein Vorwurf an unsere Gastgeber sein, denn die machen dort ganz tolle Sachen, über die uns Holger anschließend erzählte. Die Beschreibung des Projekthauses folgt ein anderes mal, weil ich grad auf einem Tablet schreibe, mit dem ich mich noch nicht ganz angefreundet habe. Es ist aber wesentlich radfahr-freundlicher als mein grosser Laptop.

Samstag ging es dann noch zum  Freiraum, einem weiteren interessanten Projekt in Potsdam und dann folgte die erste längere Fahrt durch eine wunderschöne Gegend zum idyllischen Tagungshotel in Baitz. Davon später mehr!

PS Ihr habt schon gemerkt, ich weiß nicht, wie ich mit dem Ding Links setzen kann – und wenn mal ein seltsames Wort dazwischen steht, dann war das die automatische Rechtschreibkorrektur – immer gut, sich auf die Technik ausreden zu können!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datensouveränität, nicht Anonymität!

Eine Gruppe jüngerer Leute, meist Männer, sitzt über ihre Computer gebeugt, eifrig tippen sie in die Tasten, um ausreichend Zufallsdaten zu generieren für die Erstellung eines Schlüsselpaares. Sie reden über VPN-Schnittstellen und TOR-Server, über PGP Verschlüsselung, über Add-ons und Plug-ins, über Key Server und Keysigning Partys. Cryptoparty nennt sich das gemeinhin – und für die “normale” Internetuserin hört sich das alles ziemlich unverständlich an. Nur was für Nerds, denkt sie sich und mich betrifft das sowieso nicht. Mein Daten sind doch vollkommen uninteressant und im Grunde kann ich eh nix machen. Die letzten Jahre mit den Enthüllungen von Snowden, Manning und Wikileaks und das Bekanntwerden des NSA-Skandals haben es jedoch klar gemacht: es geht uns alle an, denn, so Jacob Appelbaum, “es geht nicht um Datenschutz, es geht um Menschenschutz” – und um Menschenrechte. Das sind keine technischen Fragen, das sind gesellschaftspolitische Fragen von höchstem allgemeinen Interesse.

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Die konviviale Gesellschaft Ivan Illichs

Für die Vorbereitung einer Veranstaltungsreihe bei der Degrowth-Konferenz in Leipzig habe ich in den letzten Wochen mehrere Bücher von Ivan Illich (wieder-)gelesen. Sicher, manche von seinen Ideen haben sich durch die Entwicklungen seit den 70er Jahren, wo die meisten seiner Bücher erschienen sind, einfach überholt. Sein Optimismus, dass sich die Menschen diese Behandlung nicht mehr lange gefallen lassen würden, daher eine Transformation zu einer postkapitalistischen Gesellschaft kurz bevor stünde, hat sich nicht bewahrheitet. Er hatte die Fähigkeit des Kapitalismus unterschätzt, einerseits kritische Diskurse und Praktiken zu seinem Vorteil zu integrieren, und andererseits eine ausreichend große Anzahl von Menschen davon zu überzeugen, dass es keine bessere Alternative gibt, sodass sich das kapitalistische System immer wieder reproduzieren und immer weiter ausbreiten kann.

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Commons-Sommerschule 2014

Der Countdown läuft – die Commons-Sommerschule 2014 scharrt in den Startlöchern und wartet auf viele interessante TeilnehmerInnen! Sie findet vom 21. – 29. Juni wieder im bewährten NaturKulturHof Bechstedt statt:

Im Garten

Auf dem Programm stehen unter anderem die Frage, welche Technik für Commons geeignet ist und die Erforschung der Möglichkeiten Commons durch Kunst zu vermitteln. Auch diesmal gibt es aber wieder viel Platz für Interessen und Themen der Teilnehmenden. Hier die nötigen Informationen und hier geht es zum Programm.

Energiewende geht anders!

Die Europäische Kommission plant wieder einmal eine weitere Beschneidung staatlicher Kompetenzen, und zwar für den Bereich erneuerbarer Energie. Noch in diesem Frühjahr sollen Leitlinien für staatliche Beihilfen im Umwelt- und Energiebereich für den Zeitraum 2014-2020 verabschiedet werden. Die Einspeisetarife für erneuerbare Energie dürften demnach nicht mehr von den Staaten oder gar Bundesländern festgelegt werden, sondern folgen EU-weiten Standards, auch Anlagen für erneuerbare Energie müssen EU-weit ausgeschrieben werden. Es gibt in diesem Sektor natürlich nicht nur die großen Energieversorgungsunternehmen, sondern das betrifft vor allem auch Energiegenossenschaften, die Solaranlagen oder Windräder bauen, oder alle Projekte, bei denen es um nachwachsende Rohstoffe, Biomasse, Hackschnitzel, Stroh, usw. geht.

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Die Rettung der Welt

Schon vor einger Zeit, genau genommen am 6. Dezember 2013, war ich eingeladen, bei einer Ausstellungseröffnung im <rotor> einen Kurzvortrag zu halten. Das Motto der Ausstellung war “Maßnahmen zur Rettung der Welt” und ich bekam vor der Eröffnung eine persönliche Einführung in die Ausstellungsobjekte. Diese inspirierten mich für meinen Vortrag, der so begann: Ideen zur Rettung der Welt, die gibt es ja heute zur Genüge, manche versuchen es zwar mit Rettungsbooten (so wie dem hier auf dem Bild, das Teil der Ausstellung war), aber da gibt es noch andere vielversprechende Ideen.

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Das Nürnberger Netzwerktreffen

Letzten Mittwoch und Donnerstag waren wir in Nürnberg. Wir das sind 13 Personen, die für unterschiedliche Modelle alternativen Wirtschaftens stehen und diese aus verschiedensten Anlässen auch aktiv vorstellen und vertreten. Da waren VertreterInnen der Gemeinwohlökonomie, der solidarischen Ökonomie, von Transition Towns, von attac, der Wachstumskritik und eben auch der Commmons-Idee, vertreten durch Silke Helfrich und mich. Wichtig ist es noch zu sagen, dass es sich nicht um so etwas wie Delegierte fester Gruppierungen handelte, die für „ihre“ Gruppen sprechen können, sondern in erster Linie um ein Vernetzungstreffen von Personen, die häufig zu diesen Themen in der Öffentlichkeit präsent sind. Es waren sehr anregende eineinhalb Tage und es sollte nicht das letzte Treffen dieser Art gewesen sein, wir wünschen uns dabei ein moderates Wachstum der Gruppe ;) und das Nürnberger Netzwerk wird vielleicht einmal so berühmt – hoffentlich nicht so berüchtigt – wie die Mont Pelerin Gesellschaft sein :).

Ein Teil der Zeit war der gegenseitigen Vorstellung und dem Versuch der Positionierung im politisch-strategischen Spektrum gewidmet. Mit der Gliederung und der Matrix, die dafür vorgeschlagen wurde, bin ich nicht ganz glücklich, ein bissl hab ich das Gefühl, es sollen alle in ihre Schublade gesteckt werden, trotzdem war es ein guter Anlass für ein wenig Selbstreflexion, die ich hiermit – versehen mit persönlichen Anmerkungen – an euch weitergeben möchte.

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Parecon versus Peer-Produktion Teil 4

Christian Siefkes und Michael Albert diskutieren online über Peer Produktion und Participatory Economy, kurz Parecon, ihre Konzepte für die Produktionsweise von morgen. Für die Contraste habe ich die Diskussion übersetzt und gekürzt. Der vierte Teil erschien in Heft 348 vom September 2013. Die ganze Diskussion auf Englisch ist hier nachzulesen. Dank an Christian für die Überarbeitung der Übersetzung!

Hier finden sich Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Peercommony ist kein Gratis-Supermarkt

Michael Alberts Zweifel an Peercommony

Christian Siefkes’ Darstellung der Peercommony hat viele Ähnlichkeiten mit meinen eigenen Vorstellungen und Wünschen, aber es gibt auch etliche Gegensätze. Ich denke, dass seine Vorschläge manche Aspekte der Wirtschaft ausblenden. Er benennt zwei Bedingungen für Peercommony: erstens, menschliche Arbeit verschwindet durch Automatisierung aus dem Produktionsprozess und zweitens, alle haben Zugang zu Ressourcen und Produktionsmitteln.

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Commons – neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung

Das Buch zur 9. Armutskonferenz ist da: Was allen gehört. Commons – neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung. Ich muss sagen, es ist wirklich gut geworden, interessante Beiträge und viele wichtige Themen. Darunter auch ein Beitrag von Silke Helfrich und einer von mir.

Und – besonders lobenswert :) – das Buch ist unter einer CC BY-NC-SA 3.0 Lizenz erschienen und auch als pdf zum Download verfügbar.

Hier mein Beitrag im Buch:

Commons: zukunftsfähig Wirtschaften jenseits von Markt und Staat

Geht es bei den Diskussionen um Armut und Armutsbekämpfung meist um Umverteilung des materiellen Reichtums oder die Schaffung von Arbeitsplätzen, so stellt sich Armut aus der Perspektive der Commons viel eher als Armut an Beteiligungschancen, Zugangsrechten und Entfaltungsmöglichkeiten dar. Es geht darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben gemeinsam mit anderen selbst in die Hand zu nehmen.

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