Sharing Economy III

Ja, ich hör gleich wieder auf, hab eh grad keine Zeit ;).

Ich habe aber gerade einen interessanten Artikel gelesen, von Rachel Botsman, currently teaching an M.B.A. course on the collaborative economy at Oxford University’s Saïd Business School (ja, das gibt es offensichtlich), also von einer Frau, die es wissen muss.

Und in diesem Beitrag wird es ganz klar: es geht darum, mit neuen Formen des Geldverdienens zu experimentieren, neue Jobmöglichkeiten zu erfinden, die für manche Menschen neue Möglichkeiten eröffnen. Es geht immer um Geld, also keinesfalls darum, Bereiche aus der Marktlogik herauszuholen oder gar den Kapitalismus überwinden zu wollen.

Damit bestünde eigentlich gar keine Verwechslungsgefahr mit den Commons, sollte man glauben. Aber das hat sich, scheint es, noch nicht überall herumgesprochen.

Core Economy

In letzter Zeit hat sich für mich eine Erkenntnis herauskristallisiert: Jeder Gesellschaftsentwurf muss auch danach beurteilt werden, welche Rolle in ihm die sogenannten “Care-” oder “Reproduktionstätigkeiten” spielen. Bleiben sie unsichtbar, weil transormatorisches Potenzial hauptsächlich in der Lohnarbeit oder zumindest im “öffentlichen” Bereich gesehen wird? Oder weil die Verkünder dieser Ideen einfach nicht dran denken, weil sie jetzt schon unsichtbar sind?

Im letzten Beitrag dann habe ich beschrieben, dass es darum geht, eben diese Tätigkeiten, die der Produktion und Reproduktion des Lebens dienen, ins Zentrum des Wirtschaftens zu stellen. Mit unterschiedichen Begriffen und etwas anderen Schwerpunktsetzungen machen das die Subsistenzperspektive, die Commonsdiskussion und in jüngster Zeit auch der Care-Diskurs. Nun habe ich gestern etwas Neues erfahren:

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Auf den Punkt getroffen

… hat Daimler-Chef Dieter Zetsche mit dieser Aussage im Freitag-Interview:

Wir haben einen genauen Plan, wie wir von der technischen Machbarkeit der autonomen Autos zur kommerziellen Umsetzbarkeit kommen wollen.

Es ging um Autos, die ohne Fahrer auskommen, aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass dieser eine Satz in komprimierter Form das Paradigma zusammenfasst, an dem die heutige Gesellschaft krankt.

Technische Machbarkeit und kommerzielle Umsetzbarkeit – um diese beiden Dinge dreht sich alles. Ob alles technisch Machbare gemacht werden muss, auf welche Art und Weise, welche sozialen und ökologischen Auswirkungen es hat, ob es Möglichkeiten nicht-kommerzieller Umsetzung gäbe, falls sich eine technische Innovation als wirklich gesellschaftlich nützlich herausstellt, um niemanden von diesem Nutzen auszuschließen, all diese Fragen tauchen nicht einmal auf.

In den Autokonzernen wie auch bei Google und Apple wird mit Hochdruck und natürlich unter strengster Geheimhaltung geforscht, es geht ja um Patente. Die Politik berät ebenfalls hinter verschlossenen Türen.

Die öffentliche Debatte, wann ein Roboterauto als sicher für den Serienbetrieb gilt, hat hingegen noch gar nicht begonnen,

heißt es weiter. Das ist schlimm genug, aber eigentlich sollte die öffentliche Debatte noch viel früher ansetzen, nämlich, ob wir überhaupt selbstfahrende Autos wollen und brauchen und wem das nützen würde und, wenn die Entscheidung dafür fällt, wem die entsprechende Software und Technologie dazu gehört; was mit den Unmengen an Daten, die notwendig sind, um das zu bewerkstelligen passiert, und wer darauf zu welchen Zwecken Zugriff hat. Im Grunde steht dahinter eine noch grundlegendere Frage: bevor wir entscheiden, ob Autos mit oder ohne Fahrer unterwegs sein sollen, sollten wir vielleicht überlegen, ob das Auto überhaupt noch das Verkehrsmittel der Zukunft ist. Aber dazu müsste man ja die herrschende Ideologie in Frage stellen und das scheint eine noch viel schwerere Übung zu sein, als ein fahrerloses Auto zu bauen.

Im Zentrum das Leben. Wirtschaften jenseits der Geldlogik

Dieser Text erschien in der CONTRASTE vom April 2015 im Schwerpunkt zur Demonetarisierung

Im Zentrum des heutigen Wirtschaftens steht die Geld- und Tauschlogik, das Streben nach Profit und Wachstum. Zur Lösung der Probleme, die das mit sich bringt, wird oft versucht, immer mehr Dinge in diesen Bereich hineinzuholen: immer mehr Reproduktionsarbeit zu Lohnarbeit zu machen und unbezahlte Tätigkeiten dem BIP zuzurechnen, Natur mit einem Preis zu versehen, um sie zu schützen. Die »Internalisierung von Externalitäten« soll Ungerechtigkeiten und ökologische Schäden verhindern. Manche aber wollen gar nicht hinein in dieses System.

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Sharing Economy II

Hier eine ausführlichere (und weniger flapsige) Version des letzten Blogposts, die ich für die Berliner Gazette geschrieben habe. Siehe dazu auch im Artikel von Felix Stalder “Das Problem des ‘ Teilens’ “.

Airbnb, ein Gemeinschaftsgarten? Warum Silicon Valley und Massenmedien “Sharing” nicht verstehen

Die Idee der Commons – dass Menschen ihre Bedürfnisse selbstorganisiert jenseits des Marktes befriedigen – erlebte in den letzten Jahren, wohl auch auf Grund der vielen Krisen, denen sich unsere Gesellschaften gegenübersehen, ein Revival. In jüngster Zeit wird dieser Begriff allerdings vermehrt von “Sharing Economy” oder “Shareconomy” abgelöst, die wohl mehr „Sexappeal“ haben. Warum das ein Problem ist, kann man in diesem Artikel über Airbnb im Standard nachlesen.

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Warum wir die Sharing Economy nicht brauchen

Der Begriff Commons hatte in den letzen Jahren eine steile Karriere gemacht – bis er seit einiger Zeit von den Begriffen “Sharing Economy” oder “Shareconomy” abgelöst wurde, die wohl mehr Sexappeal haben. Warum das ein Problem ist, kann man in diesem Artikel über Airbnb im Standard lesen.

705 der 2900 der über diese Plattform in Wien angbotenen Wohnungen stammen von nur 74 Anbietern, die zwischen 5 und 49(!) Wohnungen im Angebot haben. Mit “sharing” hat das nichts mehr zu tun, sondern das ist ein lukratives neues Geschäftsmodell.

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Rifkins “Null-Grenzkosten-Gesellschaft”

Nachdem ich in den letzten Wochen immer wieder auf dieses Buch angesprochen wurde und hörte, dass jemand der sich mit Commons beschäftigt, es gelesen haben müsste, habe ich es nun also getan. Und das Buch hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen.

Jeremy Rifkin reiht sich mit seinem Buch in die Reihe derer ein, die ein Ende des Kapitalismus voraussagen. Fast alle, die sich derzeit Gedanken über gesellschaftliche Transformation machen, über Zukunftsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, Energiewende usw. meinen, das Wachstum könne nicht weitergehen wie bisher und wir würden ein grundsätzlich neues Paradigma brauchen. Nicht so Jeremy Rifkin. Er sieht gerade in weiter zunehmender Rationalisierung und dem anhaltenden exponentiellen Wachstum der neuen Technologien den Schlüssel zur Überwindung des Kapitalismus. Im Zentrum von Rifkins Vision einer zukünftigen Gesellschaft stehen zwei Elemente: Neue Technologien und die „kollaborativen Commons“. Von ersteren handelt der weitaus größere Teil des Buches. Erneuerbare Energien und dezentrale Produktionsanlagen, die von Computern über Internet gesteuert werden, sollen einerseits dazu führen, dass die Grenzkosten nahezu aller Produkte und Dienstleistungen gegen Null gehen und andererseits auch ermöglichen, den Ressourcenverbrauch so effizient zu gestalten, dass anscheinend auch diese Probleme in Zukunft irrelevant werden.

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Permakultur und Commons

Ich hab ja schon öfter zu diesem Thema geschrieben, noch öfter gesprochen, ich hatte immer den Eindruck, es kommt nicht so ganz an. Von Biologismus bis Esoterik reichten die Kommentare. Nun hab ich aus gegebenem Anlass einen neuen Anlauf genommen, zu erklären, warum es mir wichtig ist, die beiden Dinge zusammenzudenken. Ausgangspunkt dabei ist, dass ich Mensch und Natur oder “Umwelt”, wie es in der Ökologie oft heißt, nicht als voneinander getrennt verstehe, sondern dass Menschen Teil der Natur sind. So ganz schaffe ich es anscheinend nicht, das in allen meinen Sätzen gut zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich schreibe “wir geben etwas in die Natur zurück”, dann klingt das, meinen manche Kritiker, erst wieder, als stünde ich der Natur gegenüber. Ich verwende daher den Ausdruck “unsere nichtmenschliche Mitwelt” – wobei das nichts dran ändert: wir sind Teil davon, nicht außerhalb. Wenn ich von Commons rede und sage, ich nehme etwas aus dem Commons und gebe etwas in das Commons zurück, heißt das ja auch nicht, dass ich außerhalb des Commons stünde, sondern ich mache das gerade deshalb, weil ich Teil des Commons bin. So, und jetzt geht’s los.
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Wissen befreien

Es war einmal, vor vielen Jahren, da wollte ich eine Doktorarbeit schreiben – das ist dann im Sand verlaufen. Dabei ist der Theorieteil praktisch fertig und liegt seitdem auf meiner Festplatte herum. Noch nie hat ihn jemand gelesen. Für den empirischen Teil fehlte die Zeit. Dabei hatte ich mit zwei Kolleginnen 2008 viele Interviews gemacht, aber ich bin einfach nicht mehr dazu gekommen, die mehr als 100 Seiten Material in ein Textanalyseprogramm einzuspeisen und systematisch auszuwerten, wie es für ein wissenschaftliche Arbeit notwendig ist. Und aus. Es war 2011, als ich endgültig beschloss, das Ganze ad acta zu legen.

Aber ich weiß natürlich, was die Menschen gesagt haben und ich habe über die Ergebnisse auch bei einigen Konferenzen referiert und einige Artikel geschrieben und dafür viel positives Feedback erhalten.

Es ging darum, Ökonomisierungsprozesse in der Sozialen Arbeit aus einer Perspektive der Gouvernementalität nach Foucault zu betrachten. Inzwischen bin ich lange aus dem Thema draußen und ich weiß nicht, ob ich alles, was ich im wesentlichen in den Jahren 2008 und 2009 geschrieben habe, heute noch so schreiben würde. Hab es jetzt auch nicht mehr wirklich durchgelesen, nur überflogen. Aber ich finde es einfach schade, das so rumliegen zu lassen. Vielleicht interessiert es ja jemanden und er oder sie will dran weiter denken. Vielleicht ist es einfach geeignet zum Nachschauen, wenn jemand ein paar Grundinformationen zu Foucault haben will. Darum habe ich beschlossen, meine Arbeit von damals aus ihrem Festplattengefängnis zu befreien :). Voilà!

Achtung, Gefahr!

Gestern hab ich im Bus die Mittagsnachrichten von Radio Steiermark gehört. Es ging um die Streiks bei Fluglinien und Eisenbahn in Deutschland. Und dann verkündete ein Reporter mit Grabesstimme, es drohe hier eine große Gefahr von sich radikalisierenden kleinen Gewerkschaften in Deutschland und dass daher jetzt versucht werde, mit gesetzlichen Mitteln zu verhindern, dass kleine Gewerkschaften so viel Macht erlangen können.

Der Mann hat vermutlich die Presseaussendungen der Konzerne oder der Regierung verlesen. Gedanken darüber, für wen diese Situation bedrohlich ist und woher die wirkliche Gefahr droht, dürfte er sich kaum gemacht haben. Oder empfindet er es wirklich als Bedrohung, wenn ArbeitnehmerInnen streiken? Als Bedrohung des sozialen Friedens, der doch schon viel mehr eine Grabesstille ist? Als Bedrohung seiner Illusion von Sicherheit? Oder ist er wirklich so gut gehirngewaschen? Denn als Journalist dürfte er doch eher zu der Gruppe von Menschen gehören, die großes Interesse daran haben müssten, wenn Gewerkschaften sich endlich wieder ihrer Macht besinnen.

Gerade, dass sie das so lange nicht getan haben, dass linke Parteien und Gewerkschaften in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht sind, ist ja der Grund für die ungleichen Machtverhältnisse, die heute herrschen. Die Ursache für viele Dinge, die vermutlich auch der Reporter nicht gut findet: Privatisierung öffentlicher Infrastruktur, Kürzung öffentlicher Ausgaben, stagnierende Löhne, zunehmende soziale Ungleichheit. Daher droht die wirkliche Gefahr. Und der Versuch, Arbeiterrechte mit gesetzlichen Maßnahmen zu beschneiden, sollte erst recht alle Alarmglocken läuten lassen. Klar sind die Streiks lästig und bringen Unannehmlichkeiten mit sich, aber gefährlich sind sie nur für die 1%.

Ich erwarte ja nicht, dass Radio Steiermark linksradikales Gedankengut verbreitet ;), aber ein wenig weiter denken, als nur Presseaussendungen wiederzugeben, könnte man vom öffentlich rechtlichen Rundfunk schon verlangen!

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