Die konviviale Gesellschaft Ivan Illichs

Für die Vorbereitung einer Veranstaltungsreihe bei der Degrowth-Konferenz in Leipzig habe ich in den letzten Wochen mehrere Bücher von Ivan Illich (wieder-)gelesen. Sicher, manche von seinen Ideen haben sich durch die Entwicklungen seit den 70er Jahren, wo die meisten seiner Bücher erschienen sind, einfach überholt. Sein Optimismus, dass sich die Menschen diese Behandlung nicht mehr lange gefallen lassen würden, daher eine Transformation zu einer postkapitalistischen Gesellschaft kurz bevor stünde, hat sich nicht bewahrheitet. Er hatte die Fähigkeit des Kapitalismus unterschätzt, einerseits kritische Diskurse und Praktiken zu seinem Vorteil zu integrieren, und andererseits eine ausreichend große Anzahl von Menschen davon zu überzeugen, dass es keine bessere Alternative gibt, sodass sich das kapitalistische System immer wieder reproduzieren und immer weiter ausbreiten kann.

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Commons-Sommerschule 2014

Der Countdown läuft – die Commons-Sommerschule 2014 scharrt in den Startlöchern und wartet auf viele interessante TeilnehmerInnen! Sie findet vom 21. – 29. Juni wieder im bewährten NaturKulturHof Bechstedt statt:

Im Garten

Auf dem Programm stehen unter anderem die Frage, welche Technik für Commons geeignet ist und die Erforschung der Möglichkeiten Commons durch Kunst zu vermitteln. Auch diesmal gibt es aber wieder viel Platz für Interessen und Themen der Teilnehmenden. Hier die nötigen Informationen und hier geht es zum Programm.

Energiewende geht anders!

Die Europäische Kommission plant wieder einmal eine weitere Beschneidung staatlicher Kompetenzen, und zwar für den Bereich erneuerbarer Energie. Noch in diesem Frühjahr sollen Leitlinien für staatliche Beihilfen im Umwelt- und Energiebereich für den Zeitraum 2014-2020 verabschiedet werden. Die Einspeisetarife für erneuerbare Energie dürften demnach nicht mehr von den Staaten oder gar Bundesländern festgelegt werden, sondern folgen EU-weiten Standards, auch Anlagen für erneuerbare Energie müssen EU-weit ausgeschrieben werden. Es gibt in diesem Sektor natürlich nicht nur die großen Energieversorgungsunternehmen, sondern das betrifft vor allem auch Energiegenossenschaften, die Solaranlagen oder Windräder bauen, oder alle Projekte, bei denen es um nachwachsende Rohstoffe, Biomasse, Hackschnitzel, Stroh, usw. geht.

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Die Rettung der Welt

Schon vor einger Zeit, genau genommen am 6. Dezember 2013, war ich eingeladen, bei einer Ausstellungseröffnung im <rotor> einen Kurzvortrag zu halten. Das Motto der Ausstellung war “Maßnahmen zur Rettung der Welt” und ich bekam vor der Eröffnung eine persönliche Einführung in die Ausstellungsobjekte. Diese inspirierten mich für meinen Vortrag, der so begann: Ideen zur Rettung der Welt, die gibt es ja heute zur Genüge, manche versuchen es zwar mit Rettungsbooten (so wie dem hier auf dem Bild, das Teil der Ausstellung war), aber da gibt es noch andere vielversprechende Ideen.

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Das Nürnberger Netzwerktreffen

Letzten Mittwoch und Donnerstag waren wir in Nürnberg. Wir das sind 13 Personen, die für unterschiedliche Modelle alternativen Wirtschaftens stehen und diese aus verschiedensten Anlässen auch aktiv vorstellen und vertreten. Da waren VertreterInnen der Gemeinwohlökonomie, der solidarischen Ökonomie, von Transition Towns, von attac, der Wachstumskritik und eben auch der Commmons-Idee, vertreten durch Silke Helfrich und mich. Wichtig ist es noch zu sagen, dass es sich nicht um so etwas wie Delegierte fester Gruppierungen handelte, die für „ihre“ Gruppen sprechen können, sondern in erster Linie um ein Vernetzungstreffen von Personen, die häufig zu diesen Themen in der Öffentlichkeit präsent sind. Es waren sehr anregende eineinhalb Tage und es sollte nicht das letzte Treffen dieser Art gewesen sein, wir wünschen uns dabei ein moderates Wachstum der Gruppe ;) und das Nürnberger Netzwerk wird vielleicht einmal so berühmt – hoffentlich nicht so berüchtigt – wie die Mont Pelerin Gesellschaft sein :).

Ein Teil der Zeit war der gegenseitigen Vorstellung und dem Versuch der Positionierung im politisch-strategischen Spektrum gewidmet. Mit der Gliederung und der Matrix, die dafür vorgeschlagen wurde, bin ich nicht ganz glücklich, ein bissl hab ich das Gefühl, es sollen alle in ihre Schublade gesteckt werden, trotzdem war es ein guter Anlass für ein wenig Selbstreflexion, die ich hiermit – versehen mit persönlichen Anmerkungen – an euch weitergeben möchte.

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Parecon versus Peer-Produktion Teil 4

Christian Siefkes und Michael Albert diskutieren online über Peer Produktion und Participatory Economy, kurz Parecon, ihre Konzepte für die Produktionsweise von morgen. Für die Contraste habe ich die Diskussion übersetzt und gekürzt. Der vierte Teil erschien in Heft 348 vom September 2013. Die ganze Diskussion auf Englisch ist hier nachzulesen. Dank an Christian für die Überarbeitung der Übersetzung!

Hier finden sich Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Peercommony ist kein Gratis-Supermarkt

Michael Alberts Zweifel an Peercommony

Christian Siefkes’ Darstellung der Peercommony hat viele Ähnlichkeiten mit meinen eigenen Vorstellungen und Wünschen, aber es gibt auch etliche Gegensätze. Ich denke, dass seine Vorschläge manche Aspekte der Wirtschaft ausblenden. Er benennt zwei Bedingungen für Peercommony: erstens, menschliche Arbeit verschwindet durch Automatisierung aus dem Produktionsprozess und zweitens, alle haben Zugang zu Ressourcen und Produktionsmitteln.

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Commons – neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung

Das Buch zur 9. Armutskonferenz ist da: Was allen gehört. Commons – neue Perspektiven in der Armutsbekämpfung. Ich muss sagen, es ist wirklich gut geworden, interessante Beiträge und viele wichtige Themen. Darunter auch ein Beitrag von Silke Helfrich und einer von mir.

Und – besonders lobenswert :) – das Buch ist unter einer CC BY-NC-SA 3.0 Lizenz erschienen und auch als pdf zum Download verfügbar.

Hier mein Beitrag im Buch:

Commons: zukunftsfähig Wirtschaften jenseits von Markt und Staat

Geht es bei den Diskussionen um Armut und Armutsbekämpfung meist um Umverteilung des materiellen Reichtums oder die Schaffung von Arbeitsplätzen, so stellt sich Armut aus der Perspektive der Commons viel eher als Armut an Beteiligungschancen, Zugangsrechten und Entfaltungsmöglichkeiten dar. Es geht darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr Leben gemeinsam mit anderen selbst in die Hand zu nehmen.

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Der Open Source Boom

Während die “big player” noch mit allen Mitteln versuchen, die Wettbewerbsvorteile, die aus Patenten und geistigen Eigentumsrechten entstehen, zu verteidigen und eine Demokratisierung der Produktion zu verhindern, ist das Auftauchen unterschiedlichster Open Source Projekte nicht mehr zu verhindern. Was ich gerade besonders spannend finde, sind die vielen neuen Ideen im Open Source Hardware und Open Design Bereich.

Die Open Source Hardware Association definiert Open Source Hardware folgendermaßen:

Open source hardware is hardware whose design is made publicly available so that anyone can study, modify, distribute, make, and sell the design or hardware based on that design. The hardware’s source, the design from which it is made, is available in the preferred format for making modifications to it. Ideally, open source hardware uses readily-available components and materials, standard processes, open infrastructure, unrestricted content, and open-source design tools to maximize the ability of individuals to make and use hardware. Open source hardware gives people the freedom to control their technology while sharing knowledge and encouraging commerce through the open exchange of designs.

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Urlaubslektüre

Bekanntlich hat ja Garret Hardin die angebliche Tragödie der Commons am Beispiel einer Schafweide beschrieben und dann fuhr ich an einen Ort, wo Schafe eine wichtige Einkommensquelle darstellen (siehe hier). Was lag also näher, als einschlägige Literatur mitzunehmen, genauer gesagt, den Schafkrimi Glennkill von Leonie Swann.

Schafkrimi, das heißt, dass eine Schafherde den überraschenden und scheinbar gewaltsamen Tod ihres Schäfers aufklärt. Diese scharfsinnige Schafherde ist in Irland beheimatet. Über Schäfer und ob diese Commoners sind oder nicht wird in dem Buch wenig ausgesagt, die besagte Schafherde besteht allerdings nicht aus „gewöhnlichen“ Schafen, weil auch ihr Schäfer kein gewöhnlicher Schäfer war. Er züchtete nicht irgendeine standardisierte Hochleistungsschafrasse, sondern hat seine Herde aus vielen verschiedenen Schafrassen mit vielen verschiedenen Eigenschaften zusammengewürfelt. Und er hat seinen Schafen regelmäßig vorgelesen, daher sind sie auch schlauer als die meisten anderen Schafe. Und gerade weil sie alle so verschieden sind, gerät die Aufklärung des Mordes zu einem Akt echter Peer-Produktion :). Weil alle das tun, was sie am besten können und weil es ihnen gelingt, die Vorteile dieser Vielfalt optimal zu nutzen und sie nicht versuchen eine Fähigkeit gegen die andre auszuspielen, können sie diese Meisterleistung vollbringen. Die „Weisheit der Vielen“ führt zum Erfolg.

Und dann ist da noch der große geheimnisvolle Widder, der plötzlich auftaucht und schon viel von der Welt gesehen hat, von dem sie lernen, selbst zu denken und sich nicht immer hinter der Herde zu verstecken. Die wichtigste und schwierigste Aufgabe, so erklärt er ihnen, ist, sich NICHT hüten zu lassen, also zu lernen, den eigenen Weg zu gehen. Und dann verbringen sie einen ganzen Nachmittag mit der schwierigen Übung, allen Versuchen, sie zu einer Herde zusammen zu treiben zu widerstehen :), worauf sie todmüde in den Schlaf sinken. Wäre vielleicht auch für Menschenkinder eine wichtige Übung? Ein Aufklärungsroman für Schafe, sozusagen, der aber auch einiges über Menschen aussagt.

Neben den aufregenden Erlebnissen und hintergründigen Überlegungen der Schafe gibt es nämlich auch längere Abhandlungen über das seltsame Verhalten und die beschränkten Fähigkeiten von Menschen aus der Sicht von Schafen. Auf jeden Fall: absolute Leseempfehlung. Und es gibt auch noch einen zweiten Band mit den Erlebnissen der Schafherde mit ihrer neuen Schäferin in Europa.

Geschichten von der Alm

Bisher war ich noch nie in Osttirol, obwohl ich dort eigentlich schon lange hin wollte. Dann hab ich in einem Buch von Andreas Weber über das Villgratental gelesen – als positives Beispiel dafür, wie Menschen mit dem, was sie vor Ort haben, ein gutes Leben leben können, ohne sich dem Diktat der Tourismusindustrie oder sonstigen Modernisierungstendenzen um jeden Preis zu unterwerfen. Das hat den Ausschlag dafür gegeben, dass meine Urlaubswahl dieses Jahr auf dieses Gebiet fiel. Hauptsächlich zum Wandern, aber auch weil es mich interessierte, wie Menschen unter solchen extremen Bedingungen leben. Außervillgraten liegt 1286m hoch, die anderen Orte noch höher, der höchste dauerhaft bewohnte und bewirtschaftete Hof liegt über 1800m. Da liegen bei uns manchmal die Almen niedriger.

Außervillgraten

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