Besser ist nicht genug

Logik des Marktes vs. Logik der Commons

Silke Helfrich hat eine Tabelle angefertigt, in der sie die Logik des Marktes der Logik der Commons gegenüberstellt. Ich finde das sehr wichtig, dass es das nun in einer so übersichtlichen Form gibt. Eine solche Zuordnung in „Schubladen“ kann allerdings auch leicht dazu verleiten, die Dinge einfacher zu sehen, als sie sind. Es ist keine Frage, dass Commons einer grundlegend anderen Logik folgen als die kapitalistische Produktionsweise. Trotzdem existieren Commons nach wie vor gleichzeitig mit dem Kapitalismus. Der Kapitalismus ist keine Totalität, sondern es gab und gibt immer auch andere Produktionsformen parallel dazu, das kapitalistische System ist sogar von diesen abhängig; zum Beispiel von der unbezahlten Arbeit, die – häufig von Frauen – in der Familie, in der Nachbarschaft oder in Vereinen geleistet wird. Denn dadurch wird die Reproduktion von Arbeitskraft billiger und es steigt der Profit der akkumuliert werden kann. Das kann auch für Commons gelten.

Allerdings ist die kapitalistische Logik heute nahezu auf der ganzen Welt, sicher aber bei uns in den Industriestaaten, hegemonial, das bedeutet, dass die Organisationsform der Gesellschaft auf sie zugeschnitten ist, und alles andere nur existieren kann, solange es sich ihr unterordnet. Hegemoniale Macht setzt sich nicht so sehr mit Gewalt durch, sondern dadurch, dass sie den Konsens der Beherrschten herstellt, weil diese auch Vorteile davon haben, oder zumindest glauben, dass sie solche haben. Sie hat mehrere Strategien, mit Kritik und entstehenden Alternativen umzugehen. Entweder sie werden kooptiert, d.h. sie werden für die Zwecke des Kapitals nutzbar gemacht, oder sie werden unterdrückt, delegitimiert, häufig kriminalisiert. Alle diese Praktiken können in der Geschichte und in der Gegenwart auch gegenüber Commons beobachtet werden.

Es gibt einen Aspekt in Silkes Tabelle gegenüber dem ich aus diesem Grund skeptisch bin. Es geht dort um die „vorherrschende Strategie“. (Diese Zeile ist in der „öffentlichen“ Version nicht enthalten, vermutlich auch wegen meines hartnäckigen Widerspruchs dagegen😉. Ich hatte schon lange vor, meine Argumente diesbezüglich zu verschriftlichen, nun habe ich es endlich geschafft). Dort steht beim Marktsystem „aus-konkurrieren“ und bei den Commons „aus-kooperieren (in der Übergangsphase)“. Dahinter steht die Annahme, dass Commons sich durchsetzen, wenn sie die Bedürfnisse der Menschen, sowohl der ProduzentInnen als auch der NutzerInnen, besser befriedigen können, als es das Marktsystem kann. Skeptisch bin ich aus zwei Gründen. Erstens:

Es gibt keine gemeinsamen Qualitätskriterien

Der direkte Vergleich, also die Entscheidung was „besser“ ist, braucht mindestens ein gemeinsames Kriterium, an Hand dessen das entschieden werden kann. Die Tabelle sagt aber ganz klar, dass es dieses Kriterium nicht gibt, genau jene Unterscheidung ist der Zweck der Tabelle. Die Orientierung an den Bedürfnissen, mit der hier argumentiert wird, steht nur auf der Seite der Logik der Commons, im Marktsystem sind die Kriterien, an Hand derer sich das „besser“ entscheidet, Gewinn und Wachstum.

Überlegen wir das am Beispiel von Autorennen. Normalerweise geht es dabei darum, wer schneller fährt und als erster am Ziel ist. Darum wird gefahren auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht darauf, ob Autos dabei kaputt gehen, sogar um den Preis des eigenen Lebens. Das wesentliche Kriterium ist also Schnelligkeit, aber natürlich ist es auch notwendig, dass das Auto bis zum Ende durchhält, um zu gewinnen.

Nun gibt es Oldtimer-Bergrennen, bei denen es um ganz andere Kriterien geht. Da sind sehr alte Autos dabei, die vielleicht nur im Schrittempo den Berg raufkommen, außerdem sind die sehr wertvoll und ihre Fahrer achten darauf, dass sie möglichst keine Schaden leiden. Dann gibt es jüngere, die da durchaus schon schneller rauffahren könnten – wie also vergleichen? Es geht so: jedes Auto fährt zweimal, das Ziel ist, für beide Fahrten gleich lange zu brauchen, es gewinnt der mit dem geringsten Unterschied zwischen beiden Zeiten. Es geht also darum, das Auto gut zu kennen, gut darauf zu achten, damit es die zwei Fahrten auch durchhält. Welcher der beiden Sieger ist „besser“? Es gibt kein gemeinsames Kriterium anhand dessen das entschieden werden kann. Es ist also eine Geschmacksfrage – oder aber eine Frage der Kriterien, die sich als hegemoniale Meinung in der Gesellschaft durchgesetzt haben.

Aber es kann z.B. sein, dass ein neues Motoröl erfunden wird, das die Haltbarkeit von Motoren deutlich erhöht. Dieses Motoröl wird für beide „besser“ sein, weil beide ins Ziel kommen müssen, um zu gewinnen. Oder es könnte einer der Oldtimer-Fahrer die Schnellfahrer davon überzeugen, dass er ein so gutes Gefühl für Autos hat, dass er mit viel weniger Pannen ein Rennen gewinnen kann. Das wäre auf jeden Fall auch für diese interessant, würde ja Zeit und Kosten sparen – aber er wird sich eben nur durchsetzen können, wenn sein Auto nicht nur weniger Reparaturen braucht, sondern er auch schneller ist. Durchsetzen kann sich also auf jeden Fall, was entsprechend den Kriterien beider besser ist. Das gilt auch für die Commons.

Wenn etwa die Firma Brockhaus keinen Absatz mehr für ihr gedrucktes Lexikon fand und sich aus Mangel an Nachfrage für die Commons-Variante einer gratis Online-Enzyklopädie entschied, dann muss es eben innerhalb beider Logiken besser gewesen sein. Für die ProduzentInnen, weil sie diese kooperative Arbeitsweise schätzen, für die NutzerInnen, weil es gratis und immer aktuell ist, sehr flexibel auf neue Trends und neue Bedürfnisse reagieren kann, also auch den Interessen einer sich rasch wandelnden, auf Effizienz ausgerichteten Gesellschaft dient und deshalb mit der Marktlogik vereinbar ist. Und das muss es, sonst könnte die Firma Brockhaus sich das nicht leisten. Das gleiche gilt für freie Software, die ja schon von vielen Verwaltungen und Unternehmen genutzt wird, weil sie wartungsfreundlicher und weniger störungs- und virenanfällig ist. Oder bei der Grundlagenforschung, wo man draufgekommen ist, dass es Innovation eher behindert als fördert, wenn jeder kleine Forschungserfolg sofort patentiert wird. In allen diesen Fällen sind Commons eben innerhalb beider Logiken „besser“.

Wenn aber in einer Gesellschaft fast alle Autorennen nur um Geschwindigkeit gehen und möglichst schnell ins Ziel zu kommen eine von allen anerkannte Leistung ist, werden die Gleichmäßigkeitsfahrer immer eine belächelte Randgruppe bleiben, sie werden sich nicht durchsetzen, nur weil sie glauben, dass ihre Kriterien besser für die Autos, die Umwelt und die Menschen sind. Wenn in einer Gesellschaft die Marktlogik hegemonial ist, dann prägt diese Logik natürlich auch das, was Menschen als ihre Bedürfnisse empfinden. Wenn ich in einer Gesellschaft lebe, in der ich alles was ich brauche nur über Geld kriegen kann, dann habe ich in erster Linie das Bedürfnis nach Geld oder das Bedürfnis, etwas möglichst billig zu bekommen. Und ich habe das Bedürfnis möglichst viel anzuhäufen, für den Fall, dass ich es brauche, entweder Geld aber durchaus auch andere Dinge. Die Bedürfniswahrnehmung ist also durch die Marktvermitteltheit der Beziehungen und die angebliche Knappheit aller Dinge verzerrt. Die Auseinandersetzung darum, wer „besser“ ist, ist dann in erster Linie eine Auseinandersetzung um Definitionsmacht. Und das bringt mich zum zweiten Punkt:

Die Ausblendung von Machtverhältissen

Einerseits wird eben die Bedeutung der Definitionsmacht übersehen, die auf Seiten der hegemonialen Macht angesiedelt ist, zweitens steht es den Menschen nicht beliebig frei, sich zwischen Markt und Commons zu entscheiden, wenn sie – wie es für nahezu alle Menschen in den Industriestaaten gilt – für ihre eigene Reproduktion vom Marktsystem abhängig sind und das ist ja eine Voraussetzung für die Erhaltung hegemonialer Macht. Die Leute, die freie Software produzieren oder in Wikipedia schreiben, die Umsonstläden organisieren, oder freie Medien, sind nach wie vor für ihre eigene Reproduktion vom kapitalistischen System, vom Markt und damit von Lohnarbeit abhängig. Die Zeit, die sie für die Produktion und Erhaltung von Commons aufwenden können, ist also beschränkt, oft brauchen sie sogar noch Geld dafür, um etwa die Miete oder ihrer Ausrüstung zu bezahlen – sicher die beiden häufigsten Gründe für deren Scheitern – oder sie haben das Glück, wie manche Programmierer, dafür direkt bezahlt zu werden. Damit machen sie aber ihr Commons zu einem Teil des Systems und nicht zu einem Gegenentwurf. Diejenigen Commons, die sich durchsetzen können, weil sie auch nach der Marktlogik „besser“ sind, werden so kooptiert, sind dann eben ins Marktsystem integriert und helfen mit dieses zu reproduzieren, während sie selbst im Ausmaß ihrer Durchsetzung begrenzt sind.

Bereits in historischer Zeit gaben Commons den Commoners Macht gegenüber den Herrschenden, sie konnten den König zwingen, die Magna Carta und die Charter of the Forest zu unterschreiben, weil sie für ihr Überleben nicht von ihm abhängig waren. Deshalb waren Commons immer auch eine Bedrohung für die hegemoniale Macht und das war einer der Gründe, warum es immer heftige Kämpfe um die Commons gab und Commoning oft auch kriminalisiert wurde. Auch das passiert heute wieder, wenn etwa Menschen, die sich gegen die Enteignung ihres Landes wehren, verhaftet oder gleich von Söldnertruppen ermordet werden, aber, in abgemilderter Form, auch wenn immer mehr Dinge im öffentlichen Raum verboten werden, Selbstorganisation und -verwaltung durch bürokratische Hürden erschwert wird, usw.

Die Frage ob Commons sich durchsetzen, entscheidet sich also nicht nur daran, ob sie Bedürfnisse „besser“ als der Markt befriedigen, sondern ist in Machtverhältnisse eingeflochten. Dort wo Commons auch für die kapitalistische Logik Vorteile bringen, werden sie sich durchsetzen – sie werden kooptiert, was nicht per se schlecht sein muss. Es kann auch, zumindest für einen Teil der Bevölkerung, die Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern, stellt dann so etwas wie einen neuen Klassenkompromiss dar. Dort aber, wo die Commons die Menschen unabhängig vom System machen würden, stellen sie eine Bedrohung dar und werden enteignet, verboten oder zumindest wird ihre Existenz durch gesetzliche und bürokratische Maßnahmen prekär. Welche Commons wann und wo kooptiert und welche marginalisiert oder verboten werden, hängt von der jeweiligen Gesellschaftsform und den jeweiligen Produktionsverhältnissen ab, es kann dabei auch passieren, dass Commons zueinander in Konkurrenz gesetzt oder gegeneinander ausgespielt werden, auch gegen deren Willen.

Eine Transformation zu einer Gesellschaft, die einer grundlegend anderen Logik folgt, kann aus meiner Sicht nie nur dadurch erfolgen, dass die neue Logik „besser“ ist; einerseits, weil die gemeinsamen Kriterien fehlen für den direkten Vergleich, andererseits, weil dafür eben auch hegemoniale Machtverhältnisse zu verändern sind. Commons haben aber auch dafür das Potential, dann nämlich, wenn wir es schaffen, Commons herzustellen und zu erhalten, die uns für unsere eigene Reproduktion zumindest zu einem gewissen Grad unabhängig vom kapitalistischen System machen. Dann geben uns diese Commons die Macht, nicht nur die Lohnarbeit zu verweigern, sondern auch das Kaufen. Wir könnten also, um mit den Worten John Holloway’s zu sprechen, aufhören, den Kapitalismus zu machen und das könnte ein wichtiger Schritt in Richtung einer wirklichen gesellschaftlichen Gegenmacht sein. Die Schaffung und Erhaltung von Commons ist also gleichzeitig ein Werkzeug für die Verschiebung von Machtverhältnissen und auch schon der erste Baustein für eine neue Gesellschaftsordnung, deren Durchsetzung ist und bleibt aber zum überwiegenden Teil ein Frage der Macht, nicht der Qualität.

6 Antworten

  1. Ein schöner Artikel, der eine längere Antwort verdient. Ich mach’s nur kurz:

    Warum stets entweder-oder?

    Eine zentrale Herausforderung für das Denken der Commons scheint mir darin zu liegen, das dualistische Denken — auch ein Produkt des Kapitalismus — zu überschreiten. Es geht stets um beides gleichzeitig: Commons sind kooptierbar und repräsentieren eine andere Logik (wenn es denn tatsächlich Commons sind!). Es geht um das besser sein und die Ausweitung der Handlungsmacht. Es gibt sehr wohl gemeinsame Qualitätskriterien und auch völlig unterschiedliche. Commons sind nützlich für den Kapitalismus und repräsentieren eine eigene Logik etc.

    Problematisch finde ich eher, dass die Bedürfnisse in der Tabelle nicht auf der Seite des Marktes stehen, denn selbstverständlich erfüllt auch der Markt Bedürfnisse. Auch hier ist eine Entgegensetzung nicht angebracht. Die Frage muss sein, wie Commons bzw. Markt Bedürfnisse erfüllen, das »ob« ist keine Frage.

    Ich finde es schwierig, wenn du — sehr leicht nur, aber doch spürbar — in die Richtung einer Bedürfniskritik rutschst. Damit ist immer ein Denken in richtigen und falschen Bedürfnissen verbunden (sind Bedürfnisse »verzerrt«, setzt dies »unverzerrte« Bedürfnisse voraus etc.). Das geht jedoch aus meiner Sicht in eine völlig falsche Richtung. Bedürfnisse sind nicht kritisierbar — von welchem Standpunkt aus sollte man sich das herausnehmen. Bedürfnisse sind historisch-spezifisch, sie spiegeln immer das wieder, was historisch möglich ist und wie es möglich ist. Dass wir nach Geld streben müssen, ist im Kapitalismus nur logisch, in einer geldfreien Gesellschaft gibt’s das einfach nicht (und gab es nicht). Es geht daher aus meiner Sicht darum, nicht an den Bedürfnissen rumzumachen (und damit implizit den Menschen die Schuld für Fehlentwicklungen zuzuweisen — sie haben falsche Bedürfnisse), sondern über die sozialen Formen nachzudenken, in denen die eigene Bedürfnisbefriedigung nicht auf Kosten der von anderen Menschen geht (und damit reziprok auch auf meine eigenen Kosten). Über das »wie« entscheidet sich dann auch das »was«.

    Nur zur Vermeidung von Missverständnissen: Wenn ich die Bedürfniskritik ablehne, dann heißt das nicht, das alle Handlungen akzeptabel sind. Im Gegenteil: Gerade auf der Ebene der Handlungen muss die Kritik erfolgen, nicht auf der Ebene der Bedürfnisse.

  2. Weil es so schön zu der Wandelbarkeit der Bedürfnisse passt, ein Zitat aus Friederike Habermanns Essay Solidarität wär‘ eine prima Alternative. Oder: Brot, Schoki und Freiheit für alle: »Wenn ich … das Vertrauen habe, immer dann Schokolade zu bekommen, wenn ich sie möchte, brauche ich dafür weder Geld noch muss ich mich schon vorsorgend im Moment damit vollstopfen.« (S. 46)

  3. Zum Zitat von Friede: genau das sag ich auch immer🙂

    Was die Ambivalenz der Commons betrifft stimme ich dir absolut zu, sehe ich auch so.

    Was die Bedürfnisse betrifft, bzw. den Satz „selbstverständlich erfüllt auch der Markt Bedürfnisse“, das mag ich nicht so stehen lassen. Und ich wäre fast versucht zu sagen, das einzige Bedürfnis, das im Kapitalismus jemals erfüllt wurde, ist das Bedürfnis des Kapitals nach Vermehrung.

    Aber natürlich ist das alles wieder nicht so einfach. Und es gibt sicher UnternehmerInnen, denen es wirklich ein Anliegen ist, die Bedürfnisse ihrer KundInnen zu befriedigen. Aber sie können das trotzdem nur, solange das nicht ihre Wettbewerbsfähigkeit untergräbt, sie können es also nur in dem Rahmen, wie die Marktregeln es erlauben. Das gilt ja inzwischen sogar für Dinge wie Bildung und Pflege. Was mich betrifft, so habe ich das Gefühl, dass ich mich ziemlich anstrengen muss, damit es mir gelingt, trotz des Systems und sogar gegen dieses meine Bedürfnisse zu befriedigen und es gibt Menschen, für die das noch in viel höherem Ausmaß zutrifft.

    Und aus einer Systemsicht – wenn es im Kapitalismus um Bedürfnisbefriedigung ginge, warum gibt es dann Menschen, die verhungern und obdachlos sind, warum werden Panzer hergestellt und Atomkraftwerke? Es geht und ging immer nur um die Befriedigung der Bedürfnisse Weniger auf Kosten Vieler.

    Was notwendig ist, ist dass der Schein gewahrt wird, es ginge um die Befriedigung der Bedürfnisse aller. Dafür gibt es einerseits die hegemoniesichernden Apparate und dann eine ganze Industrie, die diejenigen Bedürfnisse produziert, die für die Kapitalakkumulation notwendig sind und das muss man schon thematisieren dürfen.

    Wenn ich von einer Verzerrung von Bedürfnissen spreche, dann in diesem Sinn und nicht als individuelle Zuweisung von Verantwortung. Ansonsten bräuchte ich ja gar nicht auf einer Veränderung der Machtverhältnisse bestehen um die Commons durchzusetzen, sondern könnte den Menschen sagen, sie müssten sich die richtigen Bedürfnisse zulegen, so wie das die VerfechterInnen der Gemeinwohlökonomie machen😉.

  4. … aber es wäre vermutlich besser zu sagen die Bedürfnisse sind von etwas „geprägt“ anstatt „verzerrt“.

    Und: Danke für die Diskussion🙂

  5. Halt, halt, so schnell kommt es zu Missverständnissen: Ich meine nicht, dass es dem Kapitalismus um Bedürfnisbefriedigung ginge, absolut nicht. Es geht den Menschen im Kapitalismus um ihre Bedürfnisbefriedigung. Wäre das nicht so, ginge auch Kapitalverwertung nicht. Und der Kapitalismus leistet das: Er befriedigt Bedürfnisse, und das kann man nicht einfach bloß zum Schein erklären.

    Allerdings, und da stimme ich dir völlig zu, hat der Kapitalismus nicht das Ziel (wenn man das überhaupt so sagen kann), die Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen. Für die Verwertung sind allein zahlungsfähige Bedürfnisse interessant (die dann ökonomisch gesprochen »Bedarfe« genannt werden). Das ist klar.

    Ja, es kann gerade nicht darum gehen, den Menschen zu sagen, was für Bedürfnisse sie haben sollen. Das war meine Aussage.

    Wie kann man jetzt aber die Frage thematisieren, dass aber tatsächlich per Werbung Nachfrage nach Sonstwas erzeugt wird ohne in den (IMHO falschen und reaktionären) Diskurs der Bedürfniskritik zu verfallen? Das muss man schon thematisieren dürfen, sagst du. Richtig, aber wie?

    Kurz gesagt: Indem man davon ausgeht, das jede Handlung der Menschen begründet ist. Welche Gründe ein Mensch hat, lässt sich aber nur vom Betroffenen selbst aufklären (am besten gemeinsam). Das bedeutet, nur je ich selbst kann meine Gründe und die zugrunde liegende Bedürfnisse klären, das kann niemand von einem Außenstandpunkt tun. Die Subjektivität darf hier nicht hintergangen werden. Bedürfnis ist eine individualtheoretische Kategorie, keine gesellschaftstheoretische. Der Außenstandpunkt ist der herrschaftliche Verfügungsstandpunkt, den wir reproduzieren, wenn wir — auch im besten Wollen — anfangen, Bedürfnisse von Menschen zu kritisieren. Auch mit Kritik kann man die herrschaftlichen Verhältnisse reproduzieren, und diese Gefahr liegt hier sehr nahe. — Das wäre länger auszuführen, vielleicht kommen wir ja beim Treffen in Oedinghausen dazu🙂

  6. Ja, das kann man tatsächlich nicht hier ausdiskutieren, freu mich schon auf Oedinghausen🙂

    ad Missverständnisse: auch ich hab nie behauptet, dass „der Kapitalismus“ Bedürfnisse befriedige oder eben nicht, das wäre eigentlich eine sinnleere Aussage, „den Kapitalismus“ kann man m.E. nicht als Akteur setzen. Du hattest ja auch geschrieben, „der Markt“ befriedige Bedürfnisse, das ist was anderes. Und ich habe geschrieben, IM Kapitalismus geht es nicht um Bedürfnisbefriedigung, in beiden Fällen geht es natürlich um die Einzelakteure nicht um anonyme, abstrakte Systeme, aber woran die Akteure ihre Handlungen ausrichten, das wird zu einem hohen Grad von sozialen Strukturen bestimmt.

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