Lücken im urbanen Raum

Es ist schon einige Zeit her, dass ich ein Mail bekam: Reni Hofmüller, künstlerische Leiterin des ESC im Labor fragte, ob ich jemanden wüsste, der etwas zur ökonomischen Bedeutung von Gstettn (sorry, liebe nicht-österreichische LeserInnen, ich weiß dafür kein deutsches Wort :-)) schreiben könnte. Es ging um ein Kunstprojekt, in dessen Rahmen Gstettn, also unbebaute Räume, Brachland, in Graz erforscht und aus verschiedensten Blickwinkeln „vermessen“ werden sollten. Diese Frage schien mir einerseits ziemlich absurd – Gstettn und Ökonomie, das kam mir wie ein Widerspruch in sich vor – und gleichzeitig hat mich die Sache total gereizt, das wollte ich gerne tun. Was es für mich so attraktiv machte war, dass es so absolut nicht zweckgerichtet war, etwas, das man nur macht, weil es Spass macht. Also hab ich spontan zugesagt.

Weil ich mich damals gerade mit Economics of Abundance beschäftigt hab, mit der Frage, was geschieht, wenn wir diesen Verwertungsdruck hinter uns lassen würden und die Fülle wahrnehmen könnten, in der wir leben, war für mich die Gstettn sofort ein Symbol für diese Art der Ökonomie, wo jenseits der Marktlogik Fülle entstehen kann. Ich habe dann andere Menschen gefragt, welche Assoziationen sie zu dem Begriffspaar Gstettn und Ökonomie haben und bekam verschiedene Antworten, je nachdem, welche ökonomische Theorie die Menschen zum Bezugspunkt nahmen. Ich hab das in meinem Text so gelöst, dass ich vier Personen aus unterschiedlichen Perspektiven über die Gstettn sinnieren ließ. Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr hier lesen (PDF).

Nicht nur ein Buch war das Ergebnis der Gstettn-Forschung, sondern auch eine Ausstellung, die heute eröffnet wurde (nein, ich sehe grad, es war schon gestern), beides unter dem Titel „Lücken im urbanen Raum“. Das Buch ist unter einer CC-BY-NC-SA-Lizenz erschienen, also zur freien Verwendung mit Namensnennung, zur nicht kommerziellen Nutzung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Und es sollte auch bald zum Download verfügbar sein. Aber man darf das Buch natürlich auch kaufen und die Ausstellung ist noch bis 17. März im ESC zu sehen.

Und während der Eröffnung wurde mir klar, dass ich so viel Freude an diesem Buch habe, weil ich einen – im Verhältnis zur Arbeit anderer kleinen – Beitrag dazu leisten durfte, weil ich Teil dieses größeren Kollektivs bin, das dieses wunderschöne Projekt auf den Weg gebracht hat. Dass mich das viel mehr freut, als wenn ich alleine irgendwas gemacht hätte, weil es erst durch die vielen Menschen, die mitgemacht haben, zu dem Besonderen werden konnte, zu etwas, das eineR alleine gar nicht machen hätte können. Danke dafür!

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