Der chaordische Weg zu den Commons

Eigentlich hätte ich mir ja nicht gedacht, dass ich jemals ein Buch aus der Management-Literatur voller Begeisterung vom Anfang bis zum Ende durchlesen würde und dabei noch biografische Gemeinsamkeiten mit Dee Hock, dem Gründer von Visa, entdecken würde. Das Buch, bei dem dieser Fall eingetreten ist, heißt „Die chaordische Organisation“ (gibt’s nicht mehr zu kaufen) und ist ein Buch mit drei Erzählebenen. Einerseits ist es die spannende Biografie eines Mannes, der seit seiner Kindheit schon das Gefühl hatte, in dieser Welt irgendwie fehl am Platz zu sein und sich in bestehende Organisationen und Institutionen nicht einfügen konnte. Die zweite Ebene ist eine theoretische Reflexion über die gegenwärtigen Krisen, die seiner Meinung nach eine Folge davon sind, dass alle unsere Organisationen auf einem falschen oder zumindest unzureichenden Bild der Welt und des Menschen aufbauen, dass es sich um Kontroll- und Kommando-Organisationen handelt. Dabei wird schon ziemlich am Anfang des Buches klar, dass es im Grunde um eine Transformation über den Kapitalismus hinaus geht:

Die Essenz von Gemeinschaft, ihr Dreh- und Angelpunkt, ist der nichtmonetäre Austausch von Wert; Dinge, die wir füreinander tun und mit anderen teilen, weil sie uns etwas bedeuten. Gemeinschaft besteht aus dem, was wir nicht zu messen versuchen, über das wir keine Listen führen und für das wir keine Belohnung erwarten. Die meisten Dinge kann man nicht messen, so sehr wir uns auch bemühen. … Der nichtmonetäre Austausch von Wert beruht nicht allein auf altruistischen Motiven, sondern auf einem tiefen, intuitiven, oft unbewussten Verständnis, daß Eigeninteressen untrennbar mit dem Interesse der Gemeinschaft verbunden ist; daß sich das Wohl des einzelnen nicht vom Wohl des Ganzen trennen lässt; daß in gewisser Weise alle Dinge zugleich unabhängig und wechselseitig voneinander abhängig sind, auch wenn das manchmal unser Verständnis übersteigt.

Die Vision einer Welt ohne Geld aus der Tastatur eines Konzernmanagers, das hat schon was ;-). Durch glückliche Umstände bekam er die Möglichkeit, die Visa-Card zu entwickeln und konnte dabei mit der Organisationsform experimentieren, die seiner Meinung nach am besten geeignet ist, die Bedürfnisse aller zu befriedigen und gleichzeitig den Potenzialen aller Beteiligten optimale Entfaltungsmöglichkeiten zu geben und Veränderungen möglich macht, der „chaordischen Organisation“ eben. Die Beschreibung dieses Prozesses bildet den dritten Erzählstrang (ich geb zu, wenn es allzu finanztechnisch wurde, hab ich nur schnell drüber gelesen, die beiden anderen Aspekte fand ich wesentlich spannender). Nun hat Hock zwar eine Organisation gegründet, die im kapitalistischen Umfeld gut integriert ist, im Hinterkopf hatte er aber immer auch eine gesellschaftliche Transformation schlechthin. Sein Credo: in Gruppen oder Organisationen ist immer schon alles vorhanden, was zur Lösung von deren Problemen notwendig ist, man muss nur die Bedingungen schaffen, damit dieses kollektive Wissen und die Fähigkeiten aller auch in die Problemlösungen einfließen können, dann braucht es keine Experten, sondern „ganz normale Menschen“ können dann „außergewöhnliche Dinge leisten“ – nein, wir haben das Motto der Commons-Sommerschule nicht bei Dee Hock abgeschrieben, es ist aber auch kein Zufall, dass sich die Aussagen gleichen, wir hatten einfach das selbe Bild vor Augen! Mehr dazu weiter unten.

Ähnlich wie Ostrom fokussiert Hock in dem Teil des Buches, wo es um die Organisation Visa geht, auf institutionelle Arrangements und genau genommen war Visa ein Commons, das die Banken erst in den USA, dann global entwickelt haben, um dem Chaos zu entgehen, das auf sie zugekommen wäre, wenn sich der Trend fortgesetzt hätte, dass jede Bank ihre eigene Kreditkarte auflegt. Sie konnten das nur, weil sie sich für diesen begrenzten Bereich auf nicht marktförmige Lösungen einließen, weil sie Selbstorganisation, flache Hierarchien und Dezentralisierung zuließen und auf eigene Wettbewerbsvorteile verzichteten. Dieses globale Modell der Kreditkarten-Organisation ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel dafür, wie die dezentrale Organisation globaler Commons funktionieren könnte.

Auf der allgemeinen, theoretischen Ebene steht jedoch immer die Frage im Zentrum, wie können wir die Gesellschaft so organisieren, dass wir die natürlichen Ressourcen nicht übernutzen, den Planeten nicht ausbeuten und die Menschen in Frieden zusammen leben und alle ihre Bedürfnisse befriedigen und sich selbst entfalten können. So erfolgreich Visa als Unternehmen war, dem Hock auch viele Jahre lang vorstand, so wenig sah er darin die optimale Umsetzung seiner Ideen verwirklicht. Kein Wunder, konnte es doch unter den Bedingungen des Marktes gar nicht anders sein. Es konnte nicht auf Dauer gelingen, die Konzentration von Kapital und Macht zu verhindern, es gelang nicht dauerhaft die Kommando- und Kontrollstrukturen zugunsten offener Selbstorganisation zu durchbrechen. Erfolg und Misserfolg, so meint Hock, könne er gar nicht klar voneinander trennen, was in einer Beziehung ein Erfolg war, war oft in anderer ein Misserfolg.

Seine Vorstellungen, wie gesellschaftliche Transformation möglich werden könnte, gab er trotzdem nicht auf. Und nachdem er sich für einige Jahre zu einem beschaulichen Landleben zurückgezogen hatte, begann ein Institut in Sante Fe genau an solchen Konzepten für komplexe, selbstorganisierte Systeme zu forschen. Und hier fand er, mit 66 Jahren, endlich seine Lebensaufgabe, in die er das einbringen konnte, was er sich im Laufe seines Lebens erarbeitet hatte. Aus diesem Institut entstand die Chaordic Alliance, die es sich zum Ziel setzte, weitere Organisationen dieser Art zu gründen oder bestehende bei der Umgestaltung zu begleiten. Auf den dort entwickelten Prinzipien für chaordische Prozesse wieder baut das Konzept der „Art of Hosting“ (AoH) auf, der „Kunst, Räume für gute Gespräche zu schaffen“. An einem solchen Training konnte ich im November teilnehmen und hier schließt sich der Kreis. Denn AoH ist für mich ein Schlüsselkonzept für das, was wir bei der Sommerschule begonnen hatten, die „Kultur der Commons“ zu nennen. Die Frage, wie können wir gut miteinander kommunizieren, wie können wir von der „Weisheit der Vielen“ profitieren, wie wird es möglich, dass gewöhnliche Menschen außergewöhnliche Dinge tun können? Und schließlich, wie schauen Institutionen aus, die Kooperation und Mitbestimmung leicht machen? Der „chaordische Weg“ ist ein vielversprechender Ansatz dafür, da ist es gar nicht mehr verwunderlich, dass die Webseite der Chaordic Alliance inzwischen mit „Chaordic Commons“ übertitelt ist.

Was ist nun dieser „chaordische Weg“? Ausgangspunkt der Überlegungen ist, dass in unserer Gesellschaft alles im Bereich zwischen Ordnung und Kontrolle organisiert ist. Hierarchische Strukturen und festgefahrene, standardisierte Prozesse antworten auf Probleme immer mit „Mehr vom Gleichen“. Hier fühlen wir uns sicher, weil Handlungen vorhersehbar sind, weil wir auf alles Antworten wissen. Veränderung kann innerhalb dieser Strukturen und der Logik, der sie folgen, jedoch nicht geschehen. Dafür muss mensch die eingefahrenen Wege verlassen und sich auf den Bereich zwischen Chaos und Ordnung, auf Prozesse mit offenem Ausgang, einlassen, dort ist der Ort, wo Neues entstehen kann, wo die kollektive Intelligenz wirken kann, Menschen zu Außergewöhnlichem fähig werden.

Viele Menschen empfinden diesen Zustand der Unsicherheit als beängstigend und wollen so schnell wie möglich wieder feste Strukturen und sicheren Boden unter den Füßen. (Ich bin ja in diesen Tagen drauf gekommen, dass dieser chaordische Bereich der ist, in dem ich mich wohl fühle und ich deswegen immer schnell die Flucht ergreifen muss, wenn die Strukturen zu eng und kontrollierend werden ;-)). Um Veränderungen zu ermöglichen, gilt es einen Raum zu schaffen und möglichst lange offen zu halten, in dem solche Prozesse mit offenem Ausgang möglich sind. Deshalb darf man sich nicht sofort – wie in Projekten meist üblich – auf Ziele festlegen und diese geradlinig verfolgen, mit Hilfe von Indikatoren messen, usw. Vielmehr gilt es erst einmal die Richtung festzulegen, herauszufinden, was ist denn überhaupt der Grund, warum man etwas tun will, was ist die gemeinsame große Frage, die die Menschen bewegt, was der Leidensdruck, der sie motiviert? Die richtige Frage kann die Kreativität anregen, so dass ganz neue Ideen entstehen können, wenn sich die Beteiligten darauf einlassen können. Dann müssen im nächsten Schritt die Prinzipien gefunden werden, denen die neue Lösung folgen soll und dann erst geht es daran, konkrete Vorschläge zu machen, konkrete Ziele zu formulieren und ins gemeinsame Handeln zu kommen. Auch wenn wir dieses Konzept damals nicht kannten, diese Strategie verfolgten wir auch mit der Commons-Sommerschule, nun gibt’s auch einen Namen dafür und dieses Jahr wird das alles noch viel runder werden :-)!

Art of Hosting ist also die Kunst, Räume für gute Gespräche zu schaffen um solche Veränderungsprozesse zu initiieren und Prozesse auf dem chaordischen Weg zu begleiten, das heißt so viel Offenheit wie möglich zu lassen und soviel Struktur wie nötig zu schaffen, damit der Prozess nicht ins totale Chaos abgleitet. Wichtig für solche Prozesse sind gute persönliche Begegnungen, empathisches Zuhören und wertschätzende Kommunikation – Dinge, die wir eben auch bei der Sommerschule als essenziell für die Entstehung und Bewahrung von Commons definiert haben. Was dann entsteht sind aber nicht sofort wieder feste Strukturen, die wieder Kontrolle ermöglichen, sondern im besten Fall ist es möglich, eine chaordische Organisation zu schaffen, die immer in dem Zustand ständiger Veränderbarkeit und anarchistischer Selbstorganisation bleibt, der den besten Nährboden für Kreativität und Entfaltung bietet. Die sechs Aspekte des chaordischen Weges können gut und gern auch als Organisationsprinzipien für Commons dienen, ohne schon fixe Strukturen oder Mechanismen vorzuschreiben.

Zu den Pionieren von AoH gehören Monica Nissen und Toke Moeller von der dänischen Organisation Interchange, die beiden haben auch das Training in Österreich geleitet. Zu den Pionieren in Österreich gehört das Vorarlberger Büro für Zukunftsfragen. All die Menschen arbeiten als Organisationsentwickler für Unternehmen, NGOs oder Regierungsinstitutionen oder in der Europäischen Kommission oder begleiten Beteiligungsprozesse. Hosts müssen – genau wie Commoners – auch in dieser Welt von etwas leben. Dahinter steht aber bei allen der Wunsch, eine Veränderung in Richtung einer „neuen“ Gesellschaft voranzutreiben. Die „Leitfrage“ unseres AoH-Trainings, an Hand derer wir Haltung und Methoden übten, war dementsprechend „Wie gestalten wir den Wandel von innen heraus?“ Die Ausbildungen sind zwar nicht ganz billig, was auch verständlich ist, weil mehrere Begleiter notwendig sind. Die Materialien sind aber alle frei verfügbar (auf Deutsch z.B. hier), die Weiterverwendung und Verbreitung und auch die Weiterentwicklung ist ausdrücklich erwünscht und man braucht keine Zertifizierung um sie anwenden zu dürfen. Möglichst viele Menschen sollen diese Fertigkeiten erlernen, diese Haltung erwerben, damit an möglichst vielen Stellen in der Gesellschaft solche Veränderungsprozesse ins Laufen kommen, so die Idee.

Für die Leute vom Büro für Zukunftsfragen etwa ist es eine Grundbedingung, dass die Beteiligungsprozesse ergebnisoffen sein müssen und dass die PolitikerInnen, die sie in Auftrag geben, sich auch die Zeit nehmen, mit den Prozessbegleitern gemeinsam genau zu definieren, worum es ihnen geht. Es sollen also Pseudobeteiligungsprozesse, in denen Politiker sich ein „Partizipationsmäntelchen“ umhängen wollen, von vorneherein verhindert werden.

Interessant auch Dee Hocks Sichtweise bezüglich Macht. Gerade aus dem Fehlen von Macht sei die Notwendigkeit entstanden, sich innovativer Organisationsmethoden zu bedienen:

Hätten wir über Macht, Geld, Status und Einfluss verfügt, wären wir unweigerlich in den Kommando-und-Kontroll-Stil verfallen, … Ohne sie waren wir zu einem Bewusstseinswandel gezwungen und mussten nach Ideen suchen, welche die bestehenden Institutionen und Praktiken transzendierten und in sich aufnahmen.

Nun muss man der Ordnung halber hinzufügen, dass natürlich Ressourcen vorhanden waren. Die Bank of America hatte Personal und Infrastruktur bereitgestellt, im Verhältnis zu den Summen, über die die Bankdirektoren verfügten, die von diesem Weg überzeugt werden mussten, waren diese aber marginal. Viel wichtiger war das Vertrauen das hergestellt werden musste, damit sich alle auf dieses Experiment einließen. Die Dringlichkeit des Problems trug sicher auch dazu bei.

Interessantes zum Thema findet sich auch im Wiki von Nuevalandia, z. B. eine gute Beschreibung der chaordischen Organisation und die Prinzipien, denen eine soziale Transformation folgen sollte, um dorthin zu kommen. Nicht alles, was in diesem Wiki steht, kann ich uneingeschränkt teilen, z.B. wenn vom „Naturgesetz“ des eingeschränkten Wettbewerbs gesprochen wird. Diese Naturalisierung wäre nicht notwendig, es würde reichen von einer ausgewogenen Balance zu sprechen. Und auch ein, zwei andere Punkte gibt’s dort, die ich anders formulieren würde. Aber im Großen und Ganzen finde ich hier sehr viele Parallelen zu den Commons und zur Peer-Produktion und auch viele fruchtbare Ideen.

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4 Antworten

  1. Schon in den 90ern war deutlich, dass die klügeren Kapitalisten sich durchaus stark interessieren für sogenannte “Selbstorganisations-Management”-Methoden. Das boomte damals auf Basis des Selbstorganisations- und Chaostheorieaufschwungs und begleitete die Umstrukturierung der Wirtschaft in Richtung des prekären Selbst-Unternehmertums (eine Zusammenstellung des Stands am Ende des 20. Jhd. siehe z.B.: http://www.thur.de/philo/som/som1.htm). Seitdem wird an nicht hierarchischen, netzwerkorientierten Praktiken herumprobiert… Zwar sind viele Hypes, z.B. unter dem Titel “die fraktale Fabrik” oder „Virtuelle Unternehmen“ u.ä. schon längst in sich zusammen gefallen (weil die kapitalistischen Verhältnisse eben den besten subjektiven Willen und die schönsten Theorien konterkarieren), aber vieles von den Grundgedanken ist längst im kapitalistischen Wirtschaftsalltag umgesetzt. Ich finde es immer wieder lustig, wie viele neue Namen die einzelnen Vertreter dieser Konzepte finden, um ihr eigenes Konzept gegenüber den anderen möglichst konkurrenzfähig abzusetzen…
    Zu den zugrundeliegenden Allgemeintheorien vielleicht noch ein Hinweis auf einen Trend: Heutzutage haben sich die Selbstorganisation/Chaostheorie/Fraktalkonzepte in Richtung der sog. Komplexitätstheorie weiter entfaltet, darunter zählen auch solche Sachen wie die “Schwarmintelligenz” usw.
    Unter der Hülle der Nutzbarmachung dieser Wissensinhalte für ein effektiveres Management zugunsten der weiteren Kapitalakkumulation verbergen sich auch interessante Erkenntnisse für uns. Wobei dabei auch eine ständige Gefahr deutlich wird: Die “Naturgesetze” der Selbstorganisation bergen – schon aufgrund ihrer Abstraktheit – immer die Gefahr, dass diese den handelnden Menschen systematisch als austauschbares Element behandeln und die Emerganz des Systemischen sich wieder gegenüber den Individuen verselbständigt.

  2. Danke Anette, für den Kommentar. Aus irgendeinem Grund hat ihn der Spamfilter verschluckt, hab ich nun korrigiert ;-). Ja, ich sehe das auch so, dass versucht wird, Selbstorganisation für ein besseres Funktionieren des Kapitalismus nutzbar zu machen, ich glaub dass wir dieser Ambivalenz nicht entgehen können. Ich glaube aber, dass die Haltung, mit der an diese Dinge herangegangen wird, entscheidend dafür ist, wem es letztlich nützt. Um Selbstunternehmertum geht es hier überhaupt nicht, viel eher um das Bewusstmachen gegenseitiger Abhängigkeit. Die Auffassung von Organisationen als lebendige, selbstorganisierte Systeme und das Konzept des „unternehmerischen Selbst“ unterscheiden sich doch ziemlich in Bezug auf ihr Menschen- und Gesellschaftsbild.

    Ich habe die Menschen kennen gelernt und wie sie denken und arbeiten und ich glaube, dass man das nicht in gut und böse, richtig und falsch einteilen kann. Nur weil jemand eine leitende Position innerhalb des kapitalistischen Systems innehat oder mit Regierungen zusammen arbeitet, kann man ihm nicht unterstellen, dass er nicht ernsthaft an einer Veränderung interessiert ist und es ihm immer nur um bessere Möglichkeiten der Kapitalakkumulation oder eine Absicherung der eigenen Macht geht.

    Grundsätzlich denke ich, dass immer, wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, wirklich selbstorganisiert zu arbeiten und das zu tun, was sie gut können und gern tun, diese Erfahrung die Menschen verändert und sie nicht mehr so einfach unter die Systemlogik zu unterwerfen sind. Es ist ziemlich egal, wo und in welchem Zusammenhang Menschen diese Erfahrung der Ermächtigung und Selbstwirksamkeint machen. Daher können, glaub ich, Ansätze für eine Veränderung der Gesellschaft auch subversiv aus den Unternehmen oder sogar aus dem Kreis der Beamten der Europäischen Kommission heraus passieren. Es braucht einfach diese vielen kleinen Puzzleteile aus allen möglichen Richtungen.

    Auf jeden Fall denke ich, dass eine commons-basierte Gesellschaft nur auf einer entsprechenden Kultur der wertschätzenden Kommunikation aufbauen kann und dass die Weisheit der Vielen der Kern einer solchen Gesellschaft sein muss, woher sollte sie sonst kommen. Drum halte ich es für ganz wichtig, dieses Potenzial bewusst zu machen, die Vielfalt und Fülle an Ressourcen, die wir immer schon haben.

    • Mir geht es auch gar nicht darum, Personen irgendwie einzuordnen in „böser Kapitalist“ und „guter Commonist“, es geht mir eher darum, auf die strukturelle Ebene hinzuweisen, die unter Umständen sogar das best- gewollte und -kommunizierte Engagement „umdreht“.

      Du sprichst z.B. die Bedeutung der wertschätzenden Kommunikation an. Klar, in der Firma, in der ich jetzt arbeite, haben wir eigentlich ein maximal wertschätzendes Verhältnis mit entspr. Kommunikation. Aber entscheidend ist der Profit, der rausspringt (was noch gar nicht mal an einem „bösen Unternehmer“ liegt, sondern einfach an den Erfordernissen des „Überlebens am Markt“).

      Ansonsten können wir die Debatte zur Bedeutung der Erkenntnisse aus den Selbstorganisations- und Komplexitätstheorien gern immer mal wieder aufleben lassen, das ist ja auch eins meiner speziellen Interessen- und Themengebiete.

      Dabei bin ich selbst immer auf der Gratwanderung zwischen überschießender Begeisterung über die neuen Erkenntnisse, dem Versuch, sie zu übertragen auf die mich interessierenden Selbst-Organisierungsprobleme im alternativen Praxen und der entsprechend kritischen Einschätzung der Verwendung dieser neuen Erkenntnisse innerhalb der alten Machtstrukturen und Verhältnisse.

  3. […] Blogbericht von Brigitte Kratzwald mit dem Titel “Der chaordische Weg zu den Commons” hat mich  dazu veranlasst, mich zu erinnern, wie ich zu dem Thema der Selbstorganisationstheorien […]

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