Was das Wasser mit dem Essen zu tun hat …

… und warum es dafür Commons-Lösungen braucht

Ich hab ja hier schon mehrmals darüber geschrieben, dass Wirtschaftswachstum fast nur mehr durch Reparatur der Schäden möglich ist, dass die sogenannten „grünen Technologien“ hauptsächlich technische Problemlösungen darstellen – die häufig genug selbst wieder umweltschädlich sind – , aber nicht die Entstehung der Probleme verhindern, weil sich das meist negativ aufs Wachstum auswirken würde. Wirklich umweltfreundliche Produkte brauchen nämlich weniger Technologie und Chemie und sind fast immer auch billiger in der Herstellung. Wenn etwa Experten, so wie hier in der Zeit, die enormen Kosten der Energiewende beklagen, so hat das immer mehrere Aspekte. Die eine Seite: Diese Kosten steigern natürlich das BIP, sie bringen also Wirtschaftswachstum. Zumindest so lange bis die Umstellung vollzogen ist. Allerdings werden da eben immer nur die technischen Lösungen mitgedacht. Der Fehlschluss dabei ist, dass eine Energiewende hin zu regional verfügbaren, erneuerbaren Energiequellen auf Dauer wesentlich billiger wäre und auch kaum für Unternehmen profitabel und dass zudem der Schwerpunkt auf Einsparung von Energie liegen müsste; in der Landwirtschaft, im Verkehr, beim Hausbau. All das bedeutet aber ganz klar weniger Wachstum, vermutlich aber mehr Lebensqualität. Würden die sogenannten „Umweltsystemleistungen“ mit einberechnet, also all das was die Natur uns erst an Lebensgrundlagen zur Verfügung stellt, stiegen schon heute die Kosten für unsere Energieversorgung in astronomische Höhe. Ich mag den Begriff nicht besonders, denn all das ist in Geld gar nicht auszudrücken. Aber er ermöglicht vielleicht ein wenig Aufmerksamkeit auf jenen unsichtbaren Teil der Wirtschaft zu lenken, der immer als „gegeben“ angenommen wird. Auf lange Sicht jedenfalls „kostet“ die Energiewende nicht, sie bringt Gewinn, in jeder Hinsicht.

Erst kürzlich habe ich gelernt, dass das auch beim Wasser so ist und zwar in dem Film „Water Makes Money“.
Kurz gesagt: ist das Wasser nitratverseucht, so entwickeln private Unternehmen immer noch bessere Technologien um das Nitrat aus dem Wasser raus zu kriegen, dadurch wird das Wasser teurer, aber die Konzerne können sich rühmen, uns sauberes Trinkwasser zu bieten, das wir ohne sie nicht hätten und damit gutes Geld verdienen. Stimmt nur halb, ist aber auf jeden Fall ein gutes Geschäft. Öffentliche Wasserwerke gehen einen andere Weg. Sie schauen sich das Einzugsgebiet des Wassers an und versuchen dort einzuwirken, wo der Nitrateintrag ins Grundwasser geschieht.

Eine französiche Stadtregierung hat eine große Fläche Land im Einzugsgebiet des städtischen Wasserwerks gekauft und stellt sie fast kostenlos Bauern zur Verfügung, die ökologischen Landbau betreiben. Die Stadt München hat sich mit den dort schon ansässigen Bauern in Verbindung gesetzt und ihnen finanzielle Unterstützung angeboten für die Umstellung auf Bio-Landwirtschaft. In beiden Fällen sind die Nitratwerte deutlich zurückgegangen und die Stadtbewohner können mit regionalen, biologischen Lebensmitteln versorgt werden. Was noch fehlt – zumindest wurde nicht darüber berichtet – ist, dass die Stadt die Entstehung von Foodkoops oder CSAs unterstützen würde, durch zur Verfügung Stellung von Infrastruktur zum Beispiel. Und ich denke, dass da sehr bald noch das Gesundheitssystem mit reinkäme, dem würde das vermutlich auch gut tun.

Das sieht man wunderbar, dass man diese Dinge nicht einzeln behandeln kann. Eine Firma macht die Wasserversorung, Lebensmittel gibt’s im Supermarkt und die Allergien nehmen zu, da freuen sich die Pharmakonzerne. Die Frau von Veolia sagte im Film, Chlor im Wasser sei für sie ein Qualitätsmerkmal, selbst dann wenn sie ausgezeichnetes, wunderbar reines Quellwasser fördern, weil es eben Keimfreiheit garantiere. Und das, ohne dass man sich besonders um die Pflege der Leitungsrohre kümmern müsste. Alle Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung durch Private bringen mehr Technologien oder mehr Chemie, sie werden dadurch teurer, sie steigern die Wasserpreise und damit das BIP, sie stellen aber keine Verbesserung in einem umfassenden Sinn dar. Im Gegenteil, das Chlor muss ja dann wieder teuer aus dem Abwasser rausgefiltert werden, denn in den Flüssen wollen wir es ja nicht.

Nachhaltigkeit ist nicht in jedem Sektor für sich zu haben, sondern nur dadurch, dass man die Wechselwirkungen zwischen den Sektoren optimal gestaltet, so dass sie sich gegenseitig unterstützen. Solche komplexen, auch auf langfristige Ziele ausgerichteten, Maßnahmen kann ein privates Unternehmen nicht bieten, das widerspräche jedem sinnvollen Unternehmensziel und kann zudem finanziell nicht bewertet werden. Im besten Fall könnten Unternehmen so etwas als CSR Maßnahmen tun, eine solche freiwillige Verpflichtung kann aber auch nicht auf die notwendige Dauer eingegangen werden, weil sie eben von der finanziellen Situation des Unternehmens abhängt. Langfristig können das nur die öffentliche Verwaltung und die betroffenen BürgerInnen, als ProduzentInnen und KonsumentInnen gleichermaßen, gemeinsam.

Noch ein kurzes Update zum Film: Veolia hatte die FilmemacherInnen verklagt und ein Verbot das Films gefordert. Der Prozess begann am 14. Februar in Paris und nahm eine unerwartete Wendung. Er geriet zu einem Tribunal gegen die Wasserkonzerne, wie hier nachzulesen ist.

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