Warum wir die Sharing Economy nicht brauchen

Der Begriff Commons hatte in den letzen Jahren eine steile Karriere gemacht – bis er seit einiger Zeit von den Begriffen „Sharing Economy“ oder „Shareconomy“ abgelöst wurde, die wohl mehr Sexappeal haben. Warum das ein Problem ist, kann man in diesem Artikel über Airbnb im Standard lesen.

705 der 2900 der über diese Plattform in Wien angbotenen Wohnungen stammen von nur 74 Anbietern, die zwischen 5 und 49(!) Wohnungen im Angebot haben. Mit „sharing“ hat das nichts mehr zu tun, sondern das ist ein lukratives neues Geschäftsmodell.

In den Medien wird unter diesem Begriff vieles vermischt, was unterschiedlicher nicht sein könnte. Repaircafés und Gemeinschaftsgärten, Tauschkreise und Alternativwährungen und eben ganz normale Vermietungsangebote wie Uber oder Airbnb. Diese beiden gerieten in letzter Zeit zu recht ins Kreuzfeuer der Kritik und waren auch von gesetzlichen Verboten betroffen. Sie versuchen ihren Profit an den für „echte“ Unternehmen bindenden Gesetzen vorbei zu machen. Und sie bringen damit auch Projekte, Initiativen und Praktiken in Misskredit, die eben wirklich jenseits der Marktlogik stattfinden.

Diese neuen Begriffe haben zwei wesentliche Probleme:

Erstens: Wir haben in den letzten Jahren hart dran gearbeitet, die Unterschiede zwischen der Logik der Commons und des Marktes herauszuarbeiten und zu vermitteln. Der Begriff Sharing Economy schmeißt das alles wieder in einen Topf. Da damit sowohl „echte“ Commonsprojekte als auch ganz normale neue Businessmodelle zusammengefasst werden, kann man den Unterschied zwischen Marktwirtschaft und Sharing Economy nicht mehr ausmachen, nur dass die an der Sharing Economy Beteiligten anscheindend die besseren Kapitalisten sein sollen.

Und zweitens: Weil dieser Unterschied verschwindet kommt es dann dazu, dass alles über einen Kamm geschoren wird. Umgehen die profitorientierten unter den auf solchen Plattformen vertretenen Anbietern Gesetze, so fällt der Verdacht auf alle. Die für solche Fälle neu geschaffenen Gesetze oder Verordnungen, werden auch diejenigen betreffen, die tatsächlich Commoning betreiben und ihnen das Leben schwer machen.

Kürzlich bekam ich einen Fragebogen von einem jungen Mann zugeschickt, der eine Masterarbeit über Sharing Economy schreibt. In den ersten Fragen ging es darum, an welchen Sharing-Projekten oder -Plattformen ich beteiligt sei und meine Erfahrungen damit und schließlich gab es noch eine Frage nach meiner Meinung zu profitorientierten Sharing-Anbietern.

Ich musste dem jungen Mann zurückschreiben, dass ich die Fragen so nicht beantworten konnte. Erstens würde ich keines der Projekte, an denen ich mich beteilige als Teil der Sharing Economy bezeichnen, weil ich diese Bezeichnung eben – siehe oben – nicht für sinnvoll halte und mich darunter ganz bewusst nicht einordnen möchte.

Zweitens weil es aus meiner Sicht nicht eine Non-Profit und eine For-Profit Sharing Economy gibt. Die darin subsummierten Non-Profit-Initiativen, würde ich einfach als Commons bezeichnen, die profitorientierten als Unternehmen und damit erübrigt sich der Begriff ganz. Er ist, um es auf gut Österreichisch auszudrücken, unnötig wie ein Kropf, weil er mehr verschleiert als er benennt.

Schmunzeln musste ich aber doch über die Schlagzeile im Printstandard: „Dem Markt wird dadurch Wohnraum entzogen“. Damit könnte ich leben, das wollen auch Commoners – siehe etwa das Mietshäusersyndikat. Denn, wozu braucht denn der Markt Wohnraum und wie soll ich mir einen wohnungslosen Markt vorstellen ;)? Hier wird der Wohnraum allerdings dem Markt gar nicht entzogen, sondern es wird ein neuer Markt geschaffen. Tatsächlich ist das genau das Gegenteil von Commoning, weil es wieder eine Form ist, Dinge zu horten, die man gerade nicht braucht, um damit Geld zu verdienen, obwohl andere Menschen sie dringender brauchen würden. Der Wohnraum wird also jenen vorenthalten, die ihn brauchen würden um ihr Bedürfnis nach einem leistbaren Dach über dem Kopf zu befriedigen. Aber genau dieser Unterschied ist in der Kategorie der Sharing Economy nicht auszumachen.

Einen weiteren kritischen Beitrag zur Sharing Economy gibt es hier auf Keimform.

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Eine Antwort

  1. Ich hab übrigens nix dagegen, wenn jemand seine Wohnung weitervermietet, wenn er grad nicht da ist. Ich hab das auch gemacht um mir die Wohnungskosten zu sparen während meiner Reise. Ich hab allerdings nicht mehr verlangt, als mich die Wohnung tatsächlich kostete und hab mich also – wie ich jetzt weiß – damit im legalen Bereich bewegt. Aber mit Sharing hat das eben nichts zu tun.

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