Open Commons Kongress Linz – OC12

Am Dienstag, dem 28. August fand in Linz der erste Open Commons Kongress statt. Im Jahr 2010 startete die Stadt Linz das Projekt „Open-Commons-Region Linz„.

Mit einer europaweit einzigartigen Initiative wird die Stadt Linz Impulse für die frei zugängliche Nutzung und elektronische Verbreitung von Daten, Software, Lehr- und Lernmaterialien und anderen als „Open Commons“ bezeichneten, digital gespeicherten Inhalten geben,

heißt es dazu auf der Webseite. Eine der ersten Aktivitäten bezog sich auf die Offenlegung der Daten durch die Stadtregierung im Sinne von Open Government Data. Das macht aber doch inzwischen fast jede Stadt, die etwas auf sich hält, ebenso kann man Stadtpläne oder Fahrpläne, Veranstaltungskalender und ein Unternehmesregister im Internet finden. Was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen anderen Städten und einer Open-Commons-Region? Das fragte ich den Projektleiter Stefan Pawel.

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Die Zeitreise

Hier nun der dritte Teil des Berichtes vom BUKO Seminar mit dem Titel „Lokal, glokal, utopistisch – Wirtschaft für die Welt von morgen“. (Hier Teil 1 und Teil 2 des Berichtes).

Die letzte Aufgabe des Seminars war, uns in eine selbst definierte zukünftige Epoche zu versetzen, in eine Zeit, die dem von uns angestrebten „Guten Leben“ schon näher gekommen ist. Aus der Beschreibung dieser Gesellschaftsform sollten wir dann – sozusagen im Rückblick – erzählen, wie der Transformationsprozess abgelaufen war, was ausschlaggebende Anlässe, Erfahrungen, sozusagen Meilensteine dafür waren, dass der Kapitalismus überwunden wurde.

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Die Gemeinwohlökonomie und Attac

Bei der Attac AktivistInnenversammlung wurde von der UnternehmerInnen-Gruppe ein Papier vorgelegt, über das bei der nächsten AV abgestimmt werden soll. Es heißt „Die 10 Prinzipien der Gemeinwohlökonomie, die von Attac Österreich unterstützt werden könnten“.

Ich versteh die Formulierung nicht ganz, ich weiß nicht genau, worüber die AV abstimmen soll. Dass diese 10 Thesen zu „offiziellen“ Attac-Positionen werden? Da hat Attac ohnehin ein Problem: ob die Gemeinwohlökonomie mit Attac assoziert wird oder nicht, entscheidet nicht die AktivistInnenversammlung von Attac. Diese Entscheidung ist in der Öffentlichkeit und den Medien längst gefallen. Die Gleichung Christian Felber = Attac = Gemeinwohlökonomie ist längst aufgegangen, das erfahre ich fast bei jeder Veranstaltung, die ich mache, sogar in Deutschland mittlerweile. Ob gewollt oder nicht, das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Die Frage ist also nicht mehr ob Attac die Gemeinwohlökonomie unterstützt, sondern auf welche Weise und ob dabei noch Platz für andere Alternativen bleibt, was ich mir sehr wünschen würde.

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„Lebens-Bau-Wirtschaft“ – Die Praxis des Systemwandels

Vorletztes Wochenende waren wir in Villach, bei der Winter School Solidarische Ökonomie. Wir haben dort unter anderem auch darüber diskutiert, wie die Diskussionen über Commons und Solidarische Ökonomie zusammenhängen. Thorsten, Christoph, Jule und Silja haben ihr Forschungsprojekt an der kritischen Uni Kassel vorgestellt. Ein Vorzeigebeispiel dafür, wie selbstbestimmtes Lernen und kritische und emanzipatorische Forschung ausschauen können. Gratulation! (Sie haben auch einen Bericht von der Winter School geschrieben). Aber eine ganz wesentliche Frage im Lauf des ganzen Wochenendes war: Wie können wir es schaffen, dass wir unsere Grundbedürfnisse über solidarische Ökonomie, oder Commons, oder wie immer wir das Ding nennen, abdecken, damit wir unabhängig sind vom Marktsystem und von Lohnarbeit? Denn das ist eine Voraussetzung für eine Systemänderung, ohne diese Möglichkeit sind auch der politischen Arbeit Grenzen gesetzt und ohne diese Möglichkeit können wir nicht aufhören, den Kapitalismus zu reproduzieren.

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Konkurrenz und Kooperation

Silke, Stefan und ich haben darüber diskutiert, ob Konkurrenz und Kooperation eindeutig jeweils der Logik des Kapitalismus und der Logik der Commons zugeschrieben werden können und wir haben bemerkt, so einfach ist das nicht und wir haben auch bemerkt, wir können uns nicht wirklich einigen. Aber, mir ist vieles dazu eingefallen.

Kooperation – wozu?

Erst einmal, ja, Kooperation und Kommunikation (auch darum ging es, aber das ist leichter) sind zwei Grundfunktionen ohne die wir weder als Einzelne noch als Menschheit als Ganzes überlebensfähig wären. So gesehen sind sie „natürlich“, d.h. sie kommen in jeder Gesellschaftsform vor.

Wofür die Kooperation und Kommunikation jeweils genutzt werden, welche Arten der Kooperation und Kommunikation in einer Gesellschaft gewollt sind und verstärkt werden oder erschwert oder sogar bestraft werden, ist sehr unterschiedlich und hängt von der jeweils hegemonialen Wissens- und Wertordnung und den dazugehörigen Strukturen und Institutionen ab. Kooperation und Kommunikation werden also in den Dienst unterschiedlicher, gesellschaftlich für wünschenswert gehaltener, Ziele gestellt.

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Denkverbot?

Die Zeiten sind schlecht, wir müssen sparen – klar, wir mussten ja die Banken retten und die Bankmanager dürfen ihr Boni auf keinen Fall verlieren. Vermögen ist wie ein scheues Reh, man darf es nicht besteuern, denn sonst ergreift es die Flucht – auch wenn wir uns fragen wohin, in allen anderen Ländern sind die Vermögenssteuern höher. Aber da ist ja noch die Sage von der Mittelschicht, die von Vermögenssteuern angeblich am meisten betroffen wäre. Auch wenn der letzte Sozialbericht für Österreich ergab, dass die reichsten 10% der Bevölkerung 54% des Geldvermögens besitzen. Bei anderen Vermögensarten ist die Verteilung noch ungleicher und was die Stiftungen betrifft, gibt es überhaupt keine Daten. Aber, die Sichtweise, dass Steuern schlecht sind und jeder möglichst wenig Steuern zahlen soll, ist fest im kollektiven Bewusstsein verankert, es ist halt nach wie vor die Meinung der Herrschenden, die zur herrschenden Meinung wird. Also, nochmal, wir müssen sparen.

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Urlaub vom Kapitalismus?

Ich geb schon zu, so ganz geht das nicht. Aber es kam dem schon sehr nahe, zumindest bei der Sommeruni von Friederike Habermann im Tagungshaus Wernsdorf, südöstlich von Berlin.

Die Sommeruni – zu einer „subjektfundierten Hegemonietheorie“

Das Haus in Wernsdorf ist ein selbstverwaltetes Ferienheim und Tagungshaus und man kann dorthin kommen und gegen eine geringe Bezahlung alles nutzen, aber sich selbst versorgen und auch das Haus in Ordnung halten. Genau der richtige Ort also um nicht nur gemeinsam zu leben sondern auch, wie es Lorenz Glatz es in seiner Rezension von Friederikes Buch „Der homo oeconomicus und das Andere“ ausdrückt, „eine Theorie der menschlichen Handlungsfähigkeit in den Strukturen der Unterdrückung zu entwickeln“. Anders gesagt, sich mit der Frage zu beschäftigen: Können wir innerhalb des Kapitalismus andere Lebensformen, andere Identitäten entwickeln, oder werden wir ganz von diesem System bestimmt? Und die Antwort kann nur lauten, ja – wir können es nicht nur, es ist die einzige Möglichkeit etwas zu verändern, denn wir müssen in der Welt, in der wir leben anfangen, eine neue aufzubauen. Wir haben keine andere.

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No gods, no masters, no robots?

Vielleicht sollte ich ja eine Standard-Kommentar-Blog schreiben? Auf jeden Fall ist es meistens die Lektüre „meiner“ Zeitung, die mich in die Tasten greifen lässt und besonders dann, wenn ich einige Zeit informations-abstinent war.

In der heutigen New York Times-Beilage gibt es einen Artikel über Forschung  zu künstlicher Intelligenz.

„In a handful of laboratories around the world, computer scientists are developing highly programmed robots that can engage people and teach them simple skills.“

Ja, genau das ist es was wir brauchen! Hochtechnologie, damit wir unseren Kindern einfache Dinge beibringen können. Damit wir nicht so viel Zeit mit ihnen verbringen müssen und diese Zeit verwenden können, um hochtechnologische, arbeits-, energie- und rohstoffintensive Produkte zu entwickeln, die uns die Tätigkeiten abnehmen, zu denen wir nicht mehr kommen, weil wir ja Roboter entwickeln müssen, die sie für uns tun.  Der Satz klingt ziemlich verrückt, aber die reale Situation ist noch viel verrückter.

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Was haben Energie, Land und Wissen gemeinsam?

Mit diesem Beitrag möchte ich an die Überlegungen von Andreas Exner anknüpfen, der „3 Thesen für eine Verknüpfung sozialer Kämpfe: Bildungskrise, Krise der Arbeit, ökologische Krise“ aufgestellt hat.

Wir können beobachten, dass sich um diese drei Bereiche im Moment starke soziale Bewegungen bilden (vor allem Energie und Land werden durch die Klimafrage im Climatejustice-Movement zusammengeführt, die Landfrage wird in den Entwicklungs- und Schwellenländern virulent im Zusammenhang mit „landgrabbing“, was das Wissen betrifft stehen ja Fragen des geistigen Eigentums, der Patente und Urheberrechte, damit im Zusammenhang aber auch der Datenschutz in vielfältiger Weise im Zentrum des Interesses). Das kann durchaus als Indikator gesehen werden, dass hier die aktuellen sozialen Kämpfe ausgefochten werden und daher liegt die Vermutung nahe, dass in diesen Bereichen derzeit Profit am leichtesten erzielt werden kann, dass diese Bereiche für die Kapitalakkumulation im späten Neoliberalismus (manche sagen auch schon Postneoliberalismus) zentral sind.

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Gratwanderungen, Grenzgänge, Irrwege – und Auswege?

Spätestens seit im Golf von Mexiko unvorstellbare Mengen an Rohöl ungehindert ins Meer fließen und immer deutlicher wird, dass durch den Zwang, Investionen endlich in Profite zu verwandeln, jegliche Sicherheitsbedenken – im wahrsten Sinne des Wortes – über Bord geworfen wurden, wird die Notwendigkeit eines „Systemwandels“ über die Kreise „linkslinker Gutmenschen“ hinaus salonfähig. Denn dass wir nicht erst die Wirtschaftskrise bekämpfen können und uns dann ums Klima kümmern oder umgekehrt, sondern dass diese Krisen und Probleme alle zusammenhängen, wird inzwischen vielen klar. Wie aber dieser Systemwechsel ausschauen kann und was die Wege dorthin sind, darüber gehen die Meinungen auseinander.

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