Rifkins „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“

Nachdem ich in den letzten Wochen immer wieder auf dieses Buch angesprochen wurde und hörte, dass jemand der sich mit Commons beschäftigt, es gelesen haben müsste, habe ich es nun also getan. Und das Buch hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen.

Jeremy Rifkin reiht sich mit seinem Buch in die Reihe derer ein, die ein Ende des Kapitalismus voraussagen. Fast alle, die sich derzeit Gedanken über gesellschaftliche Transformation machen, über Zukunftsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, Energiewende usw. meinen, das Wachstum könne nicht weitergehen wie bisher und wir würden ein grundsätzlich neues Paradigma brauchen. Nicht so Jeremy Rifkin. Er sieht gerade in weiter zunehmender Rationalisierung und dem anhaltenden exponentiellen Wachstum der neuen Technologien den Schlüssel zur Überwindung des Kapitalismus. Im Zentrum von Rifkins Vision einer zukünftigen Gesellschaft stehen zwei Elemente: Neue Technologien und die „kollaborativen Commons“. Von ersteren handelt der weitaus größere Teil des Buches. Erneuerbare Energien und dezentrale Produktionsanlagen, die von Computern über Internet gesteuert werden, sollen einerseits dazu führen, dass die Grenzkosten nahezu aller Produkte und Dienstleistungen gegen Null gehen und andererseits auch ermöglichen, den Ressourcenverbrauch so effizient zu gestalten, dass anscheinend auch diese Probleme in Zukunft irrelevant werden.

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Datensouveränität, nicht Anonymität!

Eine Gruppe jüngerer Leute, meist Männer, sitzt über ihre Computer gebeugt, eifrig tippen sie in die Tasten, um ausreichend Zufallsdaten zu generieren für die Erstellung eines Schlüsselpaares. Sie reden über VPN-Schnittstellen und TOR-Server, über PGP Verschlüsselung, über Add-ons und Plug-ins, über Key Server und Keysigning Partys. Cryptoparty nennt sich das gemeinhin – und für die „normale“ Internetuserin hört sich das alles ziemlich unverständlich an. Nur was für Nerds, denkt sie sich und mich betrifft das sowieso nicht. Mein Daten sind doch vollkommen uninteressant und im Grunde kann ich eh nix machen. Die letzten Jahre mit den Enthüllungen von Snowden, Manning und Wikileaks und das Bekanntwerden des NSA-Skandals haben es jedoch klar gemacht: es geht uns alle an, denn, so Jacob Appelbaum, „es geht nicht um Datenschutz, es geht um Menschenschutz“ – und um Menschenrechte. Das sind keine technischen Fragen, das sind gesellschaftspolitische Fragen von höchstem allgemeinen Interesse.

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Wer ist hier kriminell?

Der Trend ist schon seit Jahren zu beobachten, in den letzten Wochen häuften sie sich, die Kriminalisierungen von Menschen, die Zivilcourage beweisen und fragwürdige, oft genug kriminelle Praktiken in Politik, Militär und Wirtschaft öffentlich machen.

Von Julian Assange, einen der Sprecher von Wikileaks über Bradley Manning, jenem Angehörigen der US Army, der Videos über die Erschießung von Zivilisten durch amerikanisch Soldaten in Bagdad veröffentlichte, und Edward Snowden, der die Öffentlichkeit über PRISM informierte, das Überwachungsprogramm des US Nachrichtendienstes NSA, das alle Orwellschen Phantasien in den Schatten stellt, bis zum §278a das Österreichischen Strafgesetzbuches über die Gründung terroristischer Organsationen, der dazu verwendet werden kann, unliebsame NGOs in terroristische Organisationen umzudefinieren, reicht die Palette. Das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien im Berufungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch im Tierschützerprozess liegt ganz in diesem Trend:

Information von KonsumentInnen – ein Vermögensdelikt?

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