Permakultur und Commons

Ich hab ja schon öfter zu diesem Thema geschrieben, noch öfter gesprochen, ich hatte immer den Eindruck, es kommt nicht so ganz an. Von Biologismus bis Esoterik reichten die Kommentare. Nun hab ich aus gegebenem Anlass einen neuen Anlauf genommen, zu erklären, warum es mir wichtig ist, die beiden Dinge zusammenzudenken. Ausgangspunkt dabei ist, dass ich Mensch und Natur oder „Umwelt“, wie es in der Ökologie oft heißt, nicht als voneinander getrennt verstehe, sondern dass Menschen Teil der Natur sind. So ganz schaffe ich es anscheinend nicht, das in allen meinen Sätzen gut zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich schreibe „wir geben etwas in die Natur zurück“, dann klingt das, meinen manche Kritiker, erst wieder, als stünde ich der Natur gegenüber. Ich verwende daher den Ausdruck „unsere nichtmenschliche Mitwelt“ – wobei das nichts dran ändert: wir sind Teil davon, nicht außerhalb. Wenn ich von Commons rede und sage, ich nehme etwas aus dem Commons und gebe etwas in das Commons zurück, heißt das ja auch nicht, dass ich außerhalb des Commons stünde, sondern ich mache das gerade deshalb, weil ich Teil des Commons bin. So, und jetzt geht’s los.
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Essbare Gemeinde Übelbach

Nachdem die Hitzewelle endlich vorbei ist, stand heute ein Ausflug auf dem Programm. Und zwar in die erste essbare Gemeinde Österreichs, in den kleinen steirischen Ort Übelbach. Dort war nämlich eine Führung angesagt.

Im Unterschied zu anderen essbaren Gemeinden ist diese nach den Prinzipien der Permakultur angelegt, die ich hier schon mal beschrieben habe. Die Initiative ging vom Bürgermeister aus, nachdem er einen Film über Andernach gesehen hatte. Der Gemeinderat hat den Beschluss dazu gefasst und die Gemeinde finanziert auch die Umsetzung, die durch den Verein Permavitae in Zusammenarbeit mit Gemeindarbeitern geschieht.

Es gibt natürlich Hügelbeete und ein Kräuterbeet, Beerensträucher und auch ganz einfach Blumenbeete und Hecken. Angelegt ist das Ganze neben Schule und Kindergarten rund um einen Kinderspielplatz. Trotz der langen Trockenperiode sind die meisten Pflanzen gut angewachsen.

Alle Fotos gibt’s  hier.

Überlebt?

Der Weltuntergang ist nicht eingetreten und die Krise haben wir auch mit Bravour überstanden, so könnte mensch zumindest glauben, wenn es nach der Bilanz der Banken und Börsen geht. Noch mal Glück gehabt, oder?

Der Kollaps ist jetzt!

Der Untergang der Menschheit, – denn die Welt wird nicht gleich untergehen, wenn die Menschheit sich vom Erdboden verabschiedet, eher vielleicht sogar im Gegenteil 😉 – so glaube ich, vollzieht sich jedoch nicht als biblische Katastrophe, der Kollaps geschieht nicht von einem Tag auf den anderen, mit einem klaren Davor und Danach. Der Kollaps ist möglicherweise gerade im Gange, trotz – oder gerade wegen – der dazwischen immer wieder aufflackernden Erfolgsmeldungen. Der Kollaps manifestiert sich gerade darin, dass all diese Erfolge widersprüchlich sind und an anderen Stellen im System zerstörerische Auswirkungen hervorrufen, dass sich das System mit seiner eigenen Logik nicht mehr aus dem Sumpf ziehen kann, Münchhausiaden funktionieren nicht mehr!

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17. April – Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes

Am 17.  April 1996 wurden AktivistInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST von der Polizei brutal ermordet. Seither gilt dieser Tag als Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes. Weltweit werden von Via Campesina und befreundeten Organisationen  unterschiedliche Aktionen druchgeführt – so auch morgen und die kommenden Tage in Wien.

In allen Zeiten war der Zugang zu Land um die eigene Versorgung sicher zu stellen eine Quelle relativer Autonomie von Herrschaftsverhältnissen, die Widerstand und Rebellion möglich machten. Daher gab es immer wieder Bestrebungen der Herrschenden, diesen Zugang weitgehend zu beschränken. Nachzulesen sind Berichte über derartige Enteignungen bereits im Alten Testament. Am bekanntesten wurde die Welle an „Einhegungen“ von gemeinsam genutzten Ackerland (auf Englisch „enclosures“ genannt) am Übergang von der Feudalzeit zum Kapitalismus. Diese Einhegungen waren jedoch mit der Durchsetzung des Kapitalismus keineswegs abgeschlossen. Auch für die ArbeiterInnenbewegung war der Zugang zu Land eine Quelle der Selbstermächtigung, die ihre Position gegenüber dem Kapital stärkte, ein Beispiel dafür ist die Siedlerbewegung des frühen 20. Jahrhunderts (nachzulesen z.B. hier). Der Aufstieg des Kapitalismus im Norden war immer begleitet von Enteignungen in den Entwicklungsländern. Der unter dem Stichwort Land Grabbing bekannt gewordene massive Ausverkauf von Land vor allem in Afrika stellt eine weitere Verschärfung dieser Praxis dar.

Und heute, angesichts von Klima-, Energie-, Nahrungsmittel- und Wirtschaftskrisen und einer strikten Austeritätspolitik, die Europa angeblich aus der Krise herausführen soll, in Wahrheit jedoch soziale Ungleichheit, Armut und autoritäre Verhältnisse befördert, wird die Forderung nach Zugang zu Grund und Boden auch in den Industrieländern wieder zum Thema. Das Recht auf Commons – auf gemeinsam genutzte, unveräußerliche Ressourcen – ist von zeitloser Gültigkeit, wenn es auch immer wieder neu zu verhandeln gilt, wer die Commoners sind und um welche Ressourcen es geht.

Aktuelle Informationen zu den Wiener Aktionstagen gibt es hier: 17april.blogsport.eu und am Mittwoch nachmittag werde ich dort einen Commons-Workshop machen.

Bereits heute abend findet im Amerlinghaus eine Veranstaltung zum Thema Recht auf Stadt heißt Recht auf Land!? statt, ebenfalls in dem Zusammenhang interessant: die aktuelle Ausstellung im Architekturzentrum Wien Hand-On Urbanism.

Reichtum für alle!

Abundance – Mit einer Rede von Roberto Verzola fing es an, bei der Internationalen Commons Konferenz letzten November in Berlin und in vielen weiteren Diskussionen seither ist es weiter gegangen. Die Frage: leben wir in einer Welt in der grundsätzlich von allem zuwenig da ist und stehen wir daher immer in Konkurrenz um die knappen Güter und müssen uns immer einschränken und sparen, oder ist diese Knappheit nur künstlich hergestellt und Wohlstand für alle ist möglich?

Das Problem beginnt schon beim Begriff: abundance und bei seiner besten deutschen Übersetzung.

Mir gefällt ja „Fülle“ am besten. Aber für manche klingt das komisch, altmodisch, es hat so einen biblischen Beiklang. Der Vorteil, der Begriff ist nicht wirklich besetzt, kann also noch mit Bedeutung gefüllt werden.

Dann die häufigste Übersetzung: Überfluss. Aber heißt es nicht, dass wir derzeit in einer Überflussgesellschaft leben? Seltsam genug, wenn immer noch Millionen Menschen nicht genug zu essen haben und die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Auf jeden Fall, Überfluss wird leicht zu überflüssig, zu einem Symbol für die Konsum- und Wegwerfgesellschaft, vermittelt irgendwie, dass ohnehin mehr als genug da ist, und wir uns eh um nix kümmern müssen. Das ist es nicht, was wir meinen.

Und schließlich: Reichtum. Aber das klingt wieder nach viel Geld und das ist es schon gar nicht. Außerdem, „die Reichen“, das ist ja für manche der sogenannten „Linken“ das Feindbild schlechthin.

Ich bitte um Rückmeldungen bezüglich des preferierten Begriffs und gern auch um weitere zweckdienliche Vorschläge und überlasse es inzwischen den LeserInnen für welchen der Begriffe sie sich jeweils entscheiden und verwende mal Reichtum als Platzhalter.

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Wege in eine solidarische Gesellschaft

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf diesen Kommentar  zum letzten Blogeintrag. Kurz zusammengefasst, es geht um Beispiele dafür, wie etwas, das den Menschen nützt auch gut für die Natur ist und es geht um eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen dem Konzept der Gemeinwohlökonomie und solidarischen Gesellschaftsentwürfen.

Also, erst einmal die Beispiele:
Alle funktionierenden Commons, die Ostrom untersucht hat, erfüllen diesen Anspruch, d.h. sie funktionieren und überleben nur, wenn sie das schaffen, das ist keine normative Forderung sondern gelebte Realität. Sie hat einfach geschaut, was ist der Grund, warum sich Menschen diese Mühe antun und das Ergebnis war, weil sie einen Vorteil davon haben, sich mit anderen abzusprechen, weil sie ihre Bedürfnisse besser befriedigen können, wenn die andern das auch können. Und dass es auch für die Natur gut ist, sieht man daran, dass die Ressourcen immer noch bestehen, sonst könnten sie ja nicht mehr funktionieren.

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Permakultur – wenn es nur Nützlinge gibt

Ich hab es ja hier schon einmal geschrieben:

„C2C als Designmodell für technische Produktion, Permakultur für die landwirtschaftliche Produktion, P2P-Produktion als Produktionsweise und Commons als der politische Rahmen für Entscheidungsfindung, Rechts- und Eigentumsformen – das klingt nach vielversprechendem und zukunftsfähigem Gesellschaftsmodell.“

Weil ich es aber genau wissen wollte, hab ich am vergangenen Wochenende einen Permakultur-Grundkurs besucht. Und ich habe dort nicht nur wieder viele interessante Menschen kennen gelernt, sondern ich wurde auch in meiner Annahme bestätigt.

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