Oben bleiben!

Ich bin grad ein bissl im Schwanken – soll ich diesen Beitrag nun unter Commons oder unter Reiseberichte ablegen? Oder ist das ohnehin alles das Gleiche? Lassen sich Commons am besten bereisen? Wie dem auch sei, eines ist sicher: die schönste Woche dieses Sommers fand im Herbst statt. Acht Tage warmes, sonniges, trockenes Wetter, das hatten wir den ganzen Sommer nicht, das tat richtig gut zum Auftanken für den Herbst und Winter. Dass ich viel zu warme Kleidung mit hatte und immer nur die beiden kurzärmligen T-Shirts trug und dann abends immer waschen musste, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Aber, auch wenn das Wetter wichtig ist, so braucht es doch mehr für eine wunderbare Woche.

Los ging es am 26. September von Graz Richtung Innsbruck. weiter lesen

Kapitalismus und Freiheit sind nicht das Gleiche

Das zumindest ist die Erkenntnis 25 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, des Eisernen Vorhangs und dem Fall der Berliner Mauer. Ich bin ein bissl spät dran mit Zeitunglesen, weil ich lange unterwegs war, deshalb hab ich mir erst heute beim Frühstück den Standard vom Wochenende vorgenommen – mit einem Schwerpunkt mit dem bezeichnenden Titel „1989 – 2014: die neue Unordnung“. Und auf der Titelseite die Überschrift „Ende des Ostblocks hat Österreich kaum genützt“. Seltsame Feststellung – wieso hätte es Österreich nützen sollen?
weiter lesen

Geschichten von der Alm

Bisher war ich noch nie in Osttirol, obwohl ich dort eigentlich schon lange hin wollte. Dann hab ich in einem Buch von Andreas Weber über das Villgratental gelesen – als positives Beispiel dafür, wie Menschen mit dem, was sie vor Ort haben, ein gutes Leben leben können, ohne sich dem Diktat der Tourismusindustrie oder sonstigen Modernisierungstendenzen um jeden Preis zu unterwerfen. Das hat den Ausschlag dafür gegeben, dass meine Urlaubswahl dieses Jahr auf dieses Gebiet fiel. Hauptsächlich zum Wandern, aber auch weil es mich interessierte, wie Menschen unter solchen extremen Bedingungen leben. Außervillgraten liegt 1286m hoch, die anderen Orte noch höher, der höchste dauerhaft bewohnte und bewirtschaftete Hof liegt über 1800m. Da liegen bei uns manchmal die Almen niedriger.

Außervillgraten

weiter lesen

Kirchentag und Protestkultur

Nun hab ich hier länger nichts geschrieben, auch deshalb, weil – neben meinen Reisen – auch in Graz so viel passiert, dass zum bloggen zu wenig Zeit bleibt. Mehr dazu hoffentlich dann doch demnächst hier. Aber nun gibt es davor noch Wichtigeres, und das deshalb, weil, ja: ich liebe Hamburg :)! Darum musste ich nicht lange überlegen, als die Anfrage von der Organisation des Deutschen Evangelischen Kirchentags kam, ob ich an einer Diskussionsveranstaltung zu Commons teilnehmen würde. Wir können zwar kein Honorar bezahlen, hieß es da, aber wir übernehmen die Fahrtkosten und es gibt eine Dauerkarte für den Kirchentag und ein Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel (inklusive Hafenfähren!) für fünf Tage. Natürlich sagte ich zu. Fünf Tage Hamburg scheinen mir ein mehr als angemessener Ausgleich für eine Stunde Diskussion über ein Thema, das mich ohnehin interessiert, mit anderen Menschen, die das auch interessiert, noch dazu, wo ich kaum etwas vorbereiten musste dafür. Und weil eine gute Freundin von mir lange in Hamburg gelebt hat, gab es auch noch freundschaftliche Verbindungen, die mir einen Schlafplatz sicherten. Also bin ich da. Und also muss ich drüber schreiben. Denn in Hamburg zu sein, ohne darüber zu erzählen, geht nicht.

weiter lesen

Von Bovec nach Triest Teil II: Zeitreise in die Vergangenheit

Zuerst einmal: es gibt nun alle Fotos und die ganze Reiseroute, die auch deutlich macht, dass jemand – hätte er oder sie diese Reise vor 100 Jahren gemacht – keine Landesgrenze überschreiten hätte müssen. Mit Ausnahme von Grado war alles Teil der österreich-ungarischen Monarchie und der Einfluss des Hauses Habsburg ist nach wie vor allgegenwärtig. Und auch Grado hatte sich schon damals zur bevorzugten Sommerfrische des habsburgischen Adels entwickelt. Damals wie heute liegt dieses Gebiet im Grenzbereich, war Schauplatz einer großen Zahl von Konflikten und die Menschen, die dort wohnen, haben mehrmals in den letzten 100 Jahren die Staatszugehörigkeit gewechselt.

weiter lesen

Von Bovec nach Triest Teil I: eine Reise zu Fuß, mit Bus und Bahn

Da ja dieses Blog als Reisetagebuch begonnen hat, lasse ich diese Tradition wieder aufleben. Zweieinhalb Wochen habe ich mir Urlaub genommen – von den Commons und von allen anderen Dingen, die immer so wichtig sind, dass sie einem den Blick aufs Wesentliche nehmen. Gehen wollte ich wieder, aber ich wollte nicht mehr alles immer mit mir herumtragen, frau wird ja auch nicht jünger ;-). Also fixe Standplätze, wo das Zelt bleiben kann und von dort aus mithilfe öffentlicher Verkehrsmittel die Strecke zurücklegen. Geplant war eine Wanderung durch das Socatal in Slowenien und anschließend durch den Triestiner Karst bis Triest, bzw. noch weiter an die slowenische Grenze.

weiter lesen

Urlaub vom Kapitalismus?

Ich geb schon zu, so ganz geht das nicht. Aber es kam dem schon sehr nahe, zumindest bei der Sommeruni von Friederike Habermann im Tagungshaus Wernsdorf, südöstlich von Berlin.

Die Sommeruni – zu einer „subjektfundierten Hegemonietheorie“

Das Haus in Wernsdorf ist ein selbstverwaltetes Ferienheim und Tagungshaus und man kann dorthin kommen und gegen eine geringe Bezahlung alles nutzen, aber sich selbst versorgen und auch das Haus in Ordnung halten. Genau der richtige Ort also um nicht nur gemeinsam zu leben sondern auch, wie es Lorenz Glatz es in seiner Rezension von Friederikes Buch „Der homo oeconomicus und das Andere“ ausdrückt, „eine Theorie der menschlichen Handlungsfähigkeit in den Strukturen der Unterdrückung zu entwickeln“. Anders gesagt, sich mit der Frage zu beschäftigen: Können wir innerhalb des Kapitalismus andere Lebensformen, andere Identitäten entwickeln, oder werden wir ganz von diesem System bestimmt? Und die Antwort kann nur lauten, ja – wir können es nicht nur, es ist die einzige Möglichkeit etwas zu verändern, denn wir müssen in der Welt, in der wir leben anfangen, eine neue aufzubauen. Wir haben keine andere.

weiter lesen

Nachlese + Fotos

Seit Sonntag Abend bin ich wieder in Österreich, seit Montag in Graz. Auf den Tag genau 3 Monate war ich unterwegs. Das war nicht Berechnung, sondern Zufall. Und etwas mehr als 2 Monate davon in Italien. Fast 6 Wochen auf dem Franziskusweg und habe dort mehr als 400 km zurückgelegt. Das ist auch schon alles an Statistik, was ich bieten kann. Wie schwer mein Rucksack war, weiß ich noch immer nicht, d.h. wir werden es alle nie erfahren. Und nun kann ich ja meiner Freude freien Lauf lassen: es hat wirklich alles bestens geklappt, es gab keine gröberen Zwischenfälle, ich habe nichts verloren, vergessen, es ist nichts kaputt geworden, mir auch nichts gestohlen worden. Ich hatte keine gesundheitlichen Probleme, ich habe wirklich keine einzige unangenehme Situation erlebt.

Und es gibt jetzt die Fotos der ganzen Reise im Netz, der erste Teil ist hier und hier der zweite.

weiter lesen

Rom! – Und dann?

Nun bin ich also da! Am Ziel? Eigentlich hatte ich ja gesagt, ich habe kein Ziel, aber als ich in Fara di Sabina auf dem Huegel oben stand und dorthin schaute, wo man angeblich Rom sieht (es war zu dunstig, um es wirklich zu sehen), da war ich schon ein wenig stolz, es geschafft zu haben. Auf der anderen Seite ist es wirklich so – es ist nicht das Ziel, wenn ich nicht in Rom waere, waeren die vergagenen Wochen nicht weniger wert. Es war schon die letzten Tage ein eigenartiges Gefuehl, zu wissen, 3 Tage gehe ich noch, 2, und dann: morgen bin ich da. Und das Gefuehl, nicht zu wissen, was denn dann kommt. Wochenlang hatte ich eine klare Aufgabe, Tag fuer Tag, und wenn nicht fuer heute, dann fuer morgen – weiter gehen. Ich brauchte nicht zu ueberlegen, es gab keine Zweifel, das Leben war einfach und hatte einen eindeutigen Sinn – und jetzt, was bleibt davon, was kommt als Naechstes?

Aber natuerlich ist es aufregend in Rom zu sein und zu Fuss hierhergekommen zu sein. Die Gegend, durch die ich zuletzt gegangen bin, heisst Sabina und ruehmt sich, eine aeltere Geschichte als Rom zu haben. Stammen doch, zumindest der Legende nach, alle RoemerInnen muetterlicherseits von Sabinerinnen ab. Und die Spuren der Vergangenheit, der roemischen und der christlichen, sind auch ueberall gegenwaertig.

weiter lesen

Sommerausklang

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross …

Bei Hermann Hesse gibt es fuer alle Stimmungen ein passendes Gedicht. Auch wenn es noch nicht so eilig ist, ein paar mehr suedliche Tage koennen es schon noch werden, aber die gibt es hier sowieso. In der ganzen Zeit, die ich jetzt in Italien bin, gab es keinen einzigen Regentag. Gewitter sicher nicht mehr als zehn und die dauerten nicht laenger als maximal eine Stunde, dann war es wieder schoen und warm, so dass alles schnell trocknet. Ein Sommer nach meinem Geschmack also :-).

Aber trotz unverminderter Hitze macht sich unaufhaltsam Herbststimmung breit. Die Tage werden kuerzer, die Wiesen sind braun geworden, auch manche Blaetter verfaerben sich schon. Die Brombeeren und die Feigen sind reif geworden und bieten Anlass fuer manche nahrhafte Pause, auch Haselnuesse gibt es viele.

weiter lesen