Selbstbestimmt gegen den Klimawandel – und für ein neues Paradigma

Nachdem mir diese Gedanken (siehe die vorigen Einträge hier, hier und hier) im Kopf herumgingen und ich sie noch nicht so richtig fassen konnte, nahm ich am letzten Tag des Klimacamps noch an einem Workshop des Arbeitsschwerpunkts „Gesellschaftliche Naturverhältnisse“ der BUKO teil. Er hieß „Still not loving COPs“, was sich auf die Klimagipfel bezog. Es gibt dazu auch ein Positionspapier. Und in diesem Workshop ging es genau darum: „Nicht das Klima ist in der Krise, sondern die Gesellschaft“, daher brauche es gesamtgesellschaftliche Lösungen. Der Fokus auf den Klimawandel könne dazu führen, das Machtverhältnissen zu wenig Beachtung geschenkt wird. Die Betonung der Dringlichkeit fördere einerseits undemokratische Maßnahmen und mache es andererseits schwieriger, technische Lösungen zu delegitimieren, denn dann müsse man eben alle Lösungsversuche zulassen. Auch dieses Papier benennt verschiedene Aspekte der notwendigen gesellschaftlichen Transformation, von denen manche mehr, manche weniger klimarelevant sind, alle aber eine Veränderung der Machtverhältnisse zum Ziel haben. Ein wichtiger Aspekt ist die „Demokratisierung gesellschaftlicher Naturverhältnisse“, was meint, dass die Betroffenen über Formen der Naturaneignung entscheiden können, und nicht die, die das Geld haben.

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Commons und Klimawandel

Aus irgendeinem Grund gibt kaum Aussagen in der Commons-Diskussion zum Thema Klimawandel. Als ich gebeten wurde einen entsprechenden Text für die Broschüre von System Change not Climate Change zu schreiben, war ich auch eher ratlos, es viel mir nicht wirklich etwas ein, das über die allgemeine Argumentation hinausgeht. Letztlich kam ich zu drei Berührungspunkten zwischen dem Commonsdiskurs und dem Klimadiskurs (der entsprechende Text folgt später, wenn die Broschüre erschienen ist), auf die ich dann auch meinen Workshop beim Klimacamp aufbaute.

1. Durch marktförmige und technologische Maßnahmen zum Klimaschutz werden oft Commons eingehegt. Aus der Commons-Perspektive ist es natürlich immer sinnvoll und wichtig, sich gegen die Einhegung von Commons zu engagieren, also gegen technische und marktförmige Mittel dem Klimawandel zu begegnen oder gegen Handelsverträge wie TTIP, das Gesetze, die Emissionen beschränken, noch schwieriger machen.

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Kohle

In letzter Zeit war ich mit verschiedenen Fragen konfrontiert, die mich etwas ratlos gemacht haben. Was kann die Commonsdiskussion zur Diskussion um den Klimawandel beitragen? Was soll ich zum Thema Degrowth sagen? Es fielen mir keine wirklich zündenden Argumente ein. Die Diskussionen und Gespräche bei der Sommerakademie von Attac Deutschland und am Klimacamp im Rheinland haben für mich selbst einige Klarheit gebracht. Die Gedanken, die ich hier und in den nächsten Beiträgen aufschreibe, sind vielleicht noch ein wenig chaotisch, aber ich hoffe, ihr tragt dazu bei, die Dinge noch klarer zu kriegen 🙂 und zum Schluss sollte es doch ein paar anwendbare Ergebnisse geben.

Zum ersten Mal gab es dieses Jahr eine Degrowth-Sommerschule. Um eine Verbindung mit konkreten Bewegungen zu schaffen wurde sie mit dem Klimacamp zusammengelegt und fand im deutschen Braunkohlerevier statt. Das sagte mir erst mal nicht viel, in Österreich ist das kein Thema. Nachdem klar war, dass ich mit Andrea Vetter gemeinsam einen Kurs bei der Sommerschule anbieten würde und auch einen Workshop am Klimacamp habe ich natürlich ein wenig recherchiert: Braunkohletagebau, verwüstet weite Landstriche, Umsiedlung der Bevölkerung, Zerstörung alter Wälder (zB im Hambacher Forst), gesundheitsschädliche und CO2-speiende Kohlekraftwerke. So richtig anschaulich wurde es für mich erst aber kurz vor der Anreise.

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Gefährliche Rettung

Dieser Text ist in der Sommerausgabe der CONTRASTE erschienen.

Beim ersten österreichischen Transition Forum erregte ein Teilnehmer mit der Aussage Aufsehen, die Sache mit dem Klimawandel und dass wir den CO2 Ausstoß reduzieren müssten, sei ein riesengroßer Fake, der nur dazu diene, dass einige wenige damit viel Geld verdienen könnten. Den ersten Teil der Aussage teile ich nicht. Das wäre zynisch gegenüber jenen Menschen, meist im globalen Süden, die schon massiv unter dem Klimawandel leiden. Es würde auch all jenen WissenschaftlerInnen, die seit Jahrzehnten vor dem Klimawandel warnen, unterstellen, im Dienste des Kapitals zu stehen. Der zweite Teil der Aussage, der Fokus auf Erderwärmung, Reduzierung des CO2-Ausstoßes und Energiewende diene in erster Linie dazu, dem Kapital neue Akkumulationsmöglichkeiten zu verschaffen, trifft jedoch ein Unbehagen, dass ich selbst seit geraumer Zeit verspüre.

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Was das Wasser mit dem Essen zu tun hat …

… und warum es dafür Commons-Lösungen braucht

Ich hab ja hier schon mehrmals darüber geschrieben, dass Wirtschaftswachstum fast nur mehr durch Reparatur der Schäden möglich ist, dass die sogenannten „grünen Technologien“ hauptsächlich technische Problemlösungen darstellen – die häufig genug selbst wieder umweltschädlich sind – , aber nicht die Entstehung der Probleme verhindern, weil sich das meist negativ aufs Wachstum auswirken würde. Wirklich umweltfreundliche Produkte brauchen nämlich weniger Technologie und Chemie und sind fast immer auch billiger in der Herstellung. Wenn etwa Experten, so wie hier in der Zeit, die enormen Kosten der Energiewende beklagen, so hat das immer mehrere Aspekte. Die eine Seite: Diese Kosten steigern natürlich das BIP, sie bringen also Wirtschaftswachstum. Zumindest so lange bis die Umstellung vollzogen ist. Allerdings werden da eben immer nur die technischen Lösungen mitgedacht. Der Fehlschluss dabei ist, dass eine Energiewende hin zu regional verfügbaren, erneuerbaren Energiequellen auf Dauer wesentlich billiger wäre und auch kaum für Unternehmen profitabel und dass zudem der Schwerpunkt auf Einsparung von Energie liegen müsste; in der Landwirtschaft, im Verkehr, beim Hausbau. All das bedeutet aber ganz klar weniger Wachstum, vermutlich aber mehr Lebensqualität. Würden die sogenannten „Umweltsystemleistungen“ mit einberechnet, also all das was die Natur uns erst an Lebensgrundlagen zur Verfügung stellt, stiegen schon heute die Kosten für unsere Energieversorgung in astronomische Höhe. Ich mag den Begriff nicht besonders, denn all das ist in Geld gar nicht auszudrücken. Aber er ermöglicht vielleicht ein wenig Aufmerksamkeit auf jenen unsichtbaren Teil der Wirtschaft zu lenken, der immer als „gegeben“ angenommen wird. Auf lange Sicht jedenfalls „kostet“ die Energiewende nicht, sie bringt Gewinn, in jeder Hinsicht.

Erst kürzlich habe ich gelernt, dass das auch beim Wasser so ist und zwar in dem Film „Water Makes Money“.
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17. April – Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes

Am 17.  April 1996 wurden AktivistInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST von der Polizei brutal ermordet. Seither gilt dieser Tag als Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes. Weltweit werden von Via Campesina und befreundeten Organisationen  unterschiedliche Aktionen druchgeführt – so auch morgen und die kommenden Tage in Wien.

In allen Zeiten war der Zugang zu Land um die eigene Versorgung sicher zu stellen eine Quelle relativer Autonomie von Herrschaftsverhältnissen, die Widerstand und Rebellion möglich machten. Daher gab es immer wieder Bestrebungen der Herrschenden, diesen Zugang weitgehend zu beschränken. Nachzulesen sind Berichte über derartige Enteignungen bereits im Alten Testament. Am bekanntesten wurde die Welle an „Einhegungen“ von gemeinsam genutzten Ackerland (auf Englisch „enclosures“ genannt) am Übergang von der Feudalzeit zum Kapitalismus. Diese Einhegungen waren jedoch mit der Durchsetzung des Kapitalismus keineswegs abgeschlossen. Auch für die ArbeiterInnenbewegung war der Zugang zu Land eine Quelle der Selbstermächtigung, die ihre Position gegenüber dem Kapital stärkte, ein Beispiel dafür ist die Siedlerbewegung des frühen 20. Jahrhunderts (nachzulesen z.B. hier). Der Aufstieg des Kapitalismus im Norden war immer begleitet von Enteignungen in den Entwicklungsländern. Der unter dem Stichwort Land Grabbing bekannt gewordene massive Ausverkauf von Land vor allem in Afrika stellt eine weitere Verschärfung dieser Praxis dar.

Und heute, angesichts von Klima-, Energie-, Nahrungsmittel- und Wirtschaftskrisen und einer strikten Austeritätspolitik, die Europa angeblich aus der Krise herausführen soll, in Wahrheit jedoch soziale Ungleichheit, Armut und autoritäre Verhältnisse befördert, wird die Forderung nach Zugang zu Grund und Boden auch in den Industrieländern wieder zum Thema. Das Recht auf Commons – auf gemeinsam genutzte, unveräußerliche Ressourcen – ist von zeitloser Gültigkeit, wenn es auch immer wieder neu zu verhandeln gilt, wer die Commoners sind und um welche Ressourcen es geht.

Aktuelle Informationen zu den Wiener Aktionstagen gibt es hier: 17april.blogsport.eu und am Mittwoch nachmittag werde ich dort einen Commons-Workshop machen.

Bereits heute abend findet im Amerlinghaus eine Veranstaltung zum Thema Recht auf Stadt heißt Recht auf Land!? statt, ebenfalls in dem Zusammenhang interessant: die aktuelle Ausstellung im Architekturzentrum Wien Hand-On Urbanism.

Reichtum für alle!

Abundance – Mit einer Rede von Roberto Verzola fing es an, bei der Internationalen Commons Konferenz letzten November in Berlin und in vielen weiteren Diskussionen seither ist es weiter gegangen. Die Frage: leben wir in einer Welt in der grundsätzlich von allem zuwenig da ist und stehen wir daher immer in Konkurrenz um die knappen Güter und müssen uns immer einschränken und sparen, oder ist diese Knappheit nur künstlich hergestellt und Wohlstand für alle ist möglich?

Das Problem beginnt schon beim Begriff: abundance und bei seiner besten deutschen Übersetzung.

Mir gefällt ja „Fülle“ am besten. Aber für manche klingt das komisch, altmodisch, es hat so einen biblischen Beiklang. Der Vorteil, der Begriff ist nicht wirklich besetzt, kann also noch mit Bedeutung gefüllt werden.

Dann die häufigste Übersetzung: Überfluss. Aber heißt es nicht, dass wir derzeit in einer Überflussgesellschaft leben? Seltsam genug, wenn immer noch Millionen Menschen nicht genug zu essen haben und die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Auf jeden Fall, Überfluss wird leicht zu überflüssig, zu einem Symbol für die Konsum- und Wegwerfgesellschaft, vermittelt irgendwie, dass ohnehin mehr als genug da ist, und wir uns eh um nix kümmern müssen. Das ist es nicht, was wir meinen.

Und schließlich: Reichtum. Aber das klingt wieder nach viel Geld und das ist es schon gar nicht. Außerdem, „die Reichen“, das ist ja für manche der sogenannten „Linken“ das Feindbild schlechthin.

Ich bitte um Rückmeldungen bezüglich des preferierten Begriffs und gern auch um weitere zweckdienliche Vorschläge und überlasse es inzwischen den LeserInnen für welchen der Begriffe sie sich jeweils entscheiden und verwende mal Reichtum als Platzhalter.

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Slugging ist Commoning

Immer wieder fragen ja Leute, wie denn das geht, dass „was mir nützt, auch den Anderen und der Natur nützt“, ich hab ja auch schon was geschrieben dazu, jetzt hab ich grad wieder ein schönes Beispiel dafür entdeckt:

Als ich einmal nach einer Wanderung in der Obersteiermark autostoppte, erzählte mir der Mann, der mich mitnahm, dass an dieser Ecke, wo ich gewartet hatte, früher, als noch wenige Menschen ein Auto hatten, sich die Menschen hinstellten, die in die Stadt wollten. Die Autofahrer, die vorbeikamen, wussten dann, dass sie auf eine Mitfahrgelegenheit warteten. Weil heute fast alle ein Auto haben, ist dieser Brauch in Vergessenheit geraten (der alte Mann hat ihn noch gekannt und mich mitgenommen ;-)).

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Wege in eine solidarische Gesellschaft

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf diesen Kommentar  zum letzten Blogeintrag. Kurz zusammengefasst, es geht um Beispiele dafür, wie etwas, das den Menschen nützt auch gut für die Natur ist und es geht um eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen dem Konzept der Gemeinwohlökonomie und solidarischen Gesellschaftsentwürfen.

Also, erst einmal die Beispiele:
Alle funktionierenden Commons, die Ostrom untersucht hat, erfüllen diesen Anspruch, d.h. sie funktionieren und überleben nur, wenn sie das schaffen, das ist keine normative Forderung sondern gelebte Realität. Sie hat einfach geschaut, was ist der Grund, warum sich Menschen diese Mühe antun und das Ergebnis war, weil sie einen Vorteil davon haben, sich mit anderen abzusprechen, weil sie ihre Bedürfnisse besser befriedigen können, wenn die andern das auch können. Und dass es auch für die Natur gut ist, sieht man daran, dass die Ressourcen immer noch bestehen, sonst könnten sie ja nicht mehr funktionieren.

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Permakultur – wenn es nur Nützlinge gibt

Ich hab es ja hier schon einmal geschrieben:

„C2C als Designmodell für technische Produktion, Permakultur für die landwirtschaftliche Produktion, P2P-Produktion als Produktionsweise und Commons als der politische Rahmen für Entscheidungsfindung, Rechts- und Eigentumsformen – das klingt nach vielversprechendem und zukunftsfähigem Gesellschaftsmodell.“

Weil ich es aber genau wissen wollte, hab ich am vergangenen Wochenende einen Permakultur-Grundkurs besucht. Und ich habe dort nicht nur wieder viele interessante Menschen kennen gelernt, sondern ich wurde auch in meiner Annahme bestätigt.

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